Erscheinungen: Personen, Trends, Kampagnen

Bild: Boulevardchef auf Bewährung

BARBARA TÓTH
Medien, FALTER 13/21 vom 31.03.2021

Oh könnte doch die Bild über diese Geschichte berichten. Alles da für einen richtigen Boulevardskandal: ein allmächtiger Chefredakteur, der des Macht-und Drogenmissbrauchs beschuldigt wird, vor allem von Frauen in seiner Redaktion. Eine Anwaltskanzlei, die vier Wochen lang alle Vorwürfe untersuchen muss. Ein Freispruch auf Bewährung für den Oberboss. Reue und Triumph in einem. Rückkehr in die Redaktion mit der Auflage, eine starke Frau als Gouvernante an seiner Seite zu akzeptieren.

All das ist Julian Reichelt, 40, Chefredakteur der Bild-Zeitung, in den letzten vier Wochen geschehen. Nach einem internen Compliance-Verfahren ist er wieder zurück in Amt - ohne Würden. Seine Co-Chefredakteurin und Co-Geschäftsführerin heißt Alexandra Würzbach, 52, bis dato Chefin von Bild am Sonntag und eine der wenigen in der Redaktion, die ihm und seinem gewöhnungsbedürftigen Führungsstil Paroli geboten haben.

Wie hart es bei Bild im Tagesgeschäft so zugeht und wie unmöglich Reichelt sein kann, lässt sich auf Amazon in der siebenteiligen Doku "Bild.Macht.Deutschland?" nachsehen. "Menschen wie Reichelt sind in den Medien sicher nicht die Regel, sie sind aber auch keine seltene Ausnahme", kommentiert das deutsche Branchenportal kress.de den Fall. "Das Muster ist in der Branche bekannt: Wer als Journalist erfolgreich ist, muss nicht zwangsläufig auch gut Menschen führen können." Dass es "Änderungsbedarf bei der Führungskultur" in der Bild-Redaktion gibt, hat Springer-Chef Mathias Döpfner einmal mehr eingeräumt. Schon 2016 versuchte es Döpfner mit einem gemischten Doppel an der Bild-Spitze. Es hielt zwei Jahre, dann ging die Frau ab. Reichelt blieb. Fortsetzung folgt bestimmt.

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