Zeit am Schirm

TV-Kolumne

MATTHIAS DUSINI
Medien, FALTER 13/21 vom 31.03.2021

Die Familie Shtisel (Netflix) ist zurück. Zwei Staffeln lang erzählte die israelische Filmserie den Alltag der ultraorthodoxen Gemeinde in Jerusalem. Der strenge Patriarch Vater Shulem verwandelte sich allmählich in einen grummeligen Feinschmecker und Kettenraucher. Man taucht in die Welt der Tochter Giti Weiss ein, die an ihrem Bemühen, alles richtig zu machen, fast zerbricht. Sohn Akiva hält als Maler Kontakt zur Außenwelt, aus der nur Böses kommt: Fernsehen, Konsum und der "verdammte Zionismus".

In der dritten Staffel verdrängt die Tragödie die Komödie. Die Unerbittlichkeit der Verbote lässt den Anachronismus der Gemeinschaft sichtbar werden: etwa das Leiden der Frauen, die den Männern gehorchen müssen und gleichzeitig für den Lebensunterhalt sorgen. Kleine Ausflüge in Richtung Selbstentfaltung werden gnadenlos bestraft. Dennoch löst "Shtisel" genügend Empathie für die HeldInnen aus, etwa für Onkel Nukhem, das liebenswerte Familienekel. Er kann Gier, Zorn und Eitelkeit nicht unterdrücken. Gott sei Dank! In Serien gehört den Sündern das Himmelreich.

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