Das Handy des Christian Pilnacek

Der mächtige Sektionschef hat seine Chats stets gelöscht. Aber die Staatsanwaltschaft hat in einem versteckten Ordner geheime Dokumente gefunden, die ihm Vertraute widerrechtlich schickten. Wollte er die Korruptionsermittlungen gegen die ÖVP behindern?

Florian Klenk
POLITIK, 02.04.2021

Christian Pilnacek war jahrelang der mächtigste Mann im Justizministerium, Generalsekretär, Chef der Weisungssektion, Cheflegist. Mit dem Strafrecht kennt sich der konservative Exzentriker aus. Mit Datensicherheit eher nicht so. Denn eines hat der Spitzenbeamte mit den guten Kontakten in die ÖVP in all den Jahren nicht gelernt: wie man brisante oder belastende Informationen vom Handy so löscht, dass sie ein Forensiker nicht mehr finden kann.

Vielleicht hat Pilnacek aber auch nie damit gerechnet, dass ihm ein Staatsanwalt einmal sein Handy wegnehmen könnte. Pilnacek stand ja auch irgendwie über den Dingen, putzte gern Untergebene oder kritische Medienleute zusammen oder jene, die er dafür hielt. Juristisch und taktisch aber machte er kaum Fehler. Zumindest glaubten das viele, die ihn näher kannten. Der „Pil“ war zwar ein cholerischer Machtmensch, aber korrupt? Nein.

Am 25. Februar dieses Jahres endete vorerst seine steile Karriere. Weil Pilnacek im (eher schwach begründeten) Verdacht steht, dem ehemaligen Justizminister und VfGH-Richter Wolfgang Brandstetter den Termin einer Hausdurchsuchung der Immobilieninvestors Michael Tojner durchgestochen zu haben, wurden Staatsanwälte aus Wien vorstellig und kassierten Pilnaceks Handy. Der Verdacht kam auf, nachdem Chats von Tojner ausgewertet worden waren.

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