Portisch unser

Er erklärte uns die Welt und kämpfte für Pressefreiheit. Über das große Vermächtnis der Journalistenlegende Hugo Portisch

Oliver Rathkolb
MEDIEN, FALTER 14/21 vom 06.04.2021

Als in ORF-Studios noch geraucht wurde: Erste Mondlandung 1969, natürlich mit Hugo Portisch (Foto: ORF)

Der Tod Hugo Portischs stimmt mich traurig. Zugleich bin ich höchst irritiert, dass die politischen Eliten Österreichs in Ihren Nachrufen auf den Doyen des Journalismus seinem Lebensthema nicht genügend Raum gegeben haben: dem unmissverständlichen Bekenntnis zu unabhängigem Journalismus und zur Pressefreiheit in Gegenwart und Zukunft ohne Message-Control und gesetzliche Hindernisse.

Wie kein anderer Medienmacher wusste Portisch, was Diktatur und Totalitarismus bedeuten. Sein aus St. Pölten stammender Vater Emil verlor 1939 seine Stelle als Chefredakteur der Neuen Preßburger Zeitung, die in Bratislava/Preßburg als „Judenblatt“ und „Hetzblatt“ verunglimpft und eingestellt wurde. Als Mittelschüler war er Angriffen pronazistischer Lehrer und Mitschüler ausgesetzt. 

Schon in den Kriegsjahren regte sich Portischs Widerstandswille. Gemeinsam mit Freunden entzog er sich einem HJ-Wehrertüchtigungslager durch Beitritt zur kriegswichtigen Feuerwehr. Portisch war ein kompromissloser Antifaschist, aber auch überzeugter Antikommunist. Nachdem er Ende März 1945 sein „Kriegsabitur“ absolviert hatte, floh er, um nicht eingezogen zu werden, auf lebensgefährlichen Wegen über Prag auf den Bauernhof seiner verstorbenen Großeltern nach St. Pölten.

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  1551 Wörter       8 Minuten

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