Neue Bücher

Hypochonder und Filme von Maria Lassnig

ANDREAS KREMLA, KIRSTIN BREITENFELLNER
Feuilleton, FALTER 16/21 vom 21.04.2021

Ein Psychiater trifft nicht nur eindeutig kranke Menschen. Entfernte Bekannte, die ihn angesichts milder Symptome lieber am Buffet ansprechen als in der Sprechstunde aufsuchen, diagnostiziert Jakob Hein mit dem "Cocktailparty-Syndrom". Und dann sieht er jene, die sich oft krank fühlen, obwohl sie ziemlich gesund sind: Hypochonder leben länger, weil sie fast nie gesundheitliche Risiken eingehen oder Warnzeichen übersehen.

Hein hat als Schriftsteller den offenbar unerschöpflichen Geschichten-Fundus seines ärztlichen Berufs schon mehrfach genutzt; vielleicht weil so eine Ordination bessere Geschichten liefert, als man sie je erfinden könnte. Einige davon sind hier versammelt, zusammen mit Betrachtungen des Autors zu aktuellen Themen. Was dieses Best-of der psychiatrischen Praxis so lesenswert macht, ist Heins leichte Feder, mit der er mühelos und oft selbstironisch kluge und verrückte Gedanken jongliert.

ANDREAS KREMLA

Jakob Hein: Hypochonder leben länger und andere gute Nachrichten aus meiner psychiatrischen Praxis. Galiani, 240 S., € 20,60


Maria Lassnig starb 2014. Nun wird das filmische Werk der Malerin aufgearbeitet. Noch viel stärker als ihre Gemälde lösten Lassnigs Filme, die sie in New York Anfang der 1970er-Jahre zu drehen begann, entweder Ablehnung oder Begeisterung aus. Dazwischen ist bei der Meisterin der Selbstoffenbarung mit dem Hang zu drastischem Humor und Selbstironie wenig Platz.

Der von der Maria Lassnig Stiftung und dem Filmmuseum herausgegebene Band enthält Erinnerungen von Künstlerkolleginnen, Essays und ein Filmlexikon. Dazu gibt es Faksimiles aus Lassnigs Notizbüchern mit unrealisierten Projekten sowie eine beigelegte DVD. In Lassnigs Nachlass fand sich nämlich bereits vorgeschnittenes Material. Daraus stellten Hans Werner Poschauko und Mara Mattuschka, beide ehemalige Lassnig-Schüler an der Angewandten, endgültige Versionen her, die von Lassnigs Experimentierlust zeugen. Lesens- und sehenswert!

KIRSTIN BREITENFELLNER

Eszter Kondor u.a. (Hg.): Maria Lassnig. Das filmische Werk. Filmmuseum Synema, 191 S., € 24,–

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