Die vergessenen Opfer

Vor einem halben Jahr mordete ein Islamist in der Innenstadt. Der Staat hatte vor dem Attentat versagt, brillierte in der Tatnacht und versagt nun noch einmal gegenüber den Hinterbliebenen

Lukas Matzinger
POLITIK, FALTER 17/21 vom 27.04.2021

Tausende Wiener trauerten an den Tagen nach dem Anschlag an den Tatorten. Dieses Bild entstand am 5. November (Foto: Christopher Mavrič)

Um kurz vor acht Uhr morgens rief der Kriminalbeamte an: Qiang Li ist tot. Beim Versuch, die Glastür zu seinem Restaurant zu verschließen, hatten ihn sieben Kugeln getroffen. Die Familie soll die Schlüssel und Geldbörse des Verstorbenen holen und, bis der Leichnam freigegeben ist, eine Beerdigung organisieren.

Mit Qiang Li nahm der Islamist Kujtim F. einer Familie die Existenz: Das Restaurant Bin Ramen des 39-jährigen Vaters (dort, wo der Schwedenplatz zum Rabensteig wird) hatte das Einkommen besorgt. Die Witwe spricht kaum Deutsch, beide Töchter studieren. Eigentlich hätten die Hinterbliebenen in den folgenden Monaten trauern sollen, sie hätten Therapien gebraucht und schnelle Nothilfe vom Staat.

Doch seit dem Anruf am Morgen nach dem Anschlag hörte die Familie Li-Xia kaum mehr von der Republik: Kein Beileidsbrief vom Bundeskanzler kam, keine Entschuldigung vom Innenminister, kein Geld fürs Begräbnis, kein Hinweis, wohin sich Hinterbliebene wenden können.

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