Krumpecks Kampf

Extinction Rebellion will die Gesellschaft aufrütteln, um die Klimakrise und das Artensterben aufzuhalten. Ein Demo-Tag mit einer radikalen Umweltschützerin

Benedikt Narodoslawsky
NATUR, FALTER 20/21 vom 18.05.2021

Foto: Heribert Corn

Martha Krumpeck hockt auf der Marxerbrücke hinterm Museum für angewandte Kunst (MAK), blickt auf ihr Smartphone und schreit: „Fuck, Fuck, Fuck!“ Um ihren Hals baumelt eine eingekreiste Sanduhr, das Symbol für die Umweltbewegung Extinction Rebellion, kurz XR. Die Sanduhr steht für die Zeit, die knapp wird, um die Klima- und Biodiversitätskrise zu stoppen. Das mit der Weltrettung scheint heute jedenfalls noch nicht zu klappen. Das alte Handy hat gerade seinen Geist aufgegeben, Krumpeck hat den Kontakt zur Gruppe verloren. Heute läuft nichts nach Plan. „Wir müssen improvisieren“, sagt Krumpeck.

Krumpeck zählt eigentlich zu jenen, die sich nicht leicht aus der Ruhe bringen lassen. In einem OMV-Gebäude klebte sie ihre Hand mit Superkleber auf die Scheibe der Drehtür und blockierte den Eingang. An der Uni Wien kleisterte sie mit Zuckerwasser wissenschaftliche Artikel zur Klima- und Biodiversitätskrise an die Wände, um Menschen aufzurütteln, und wartete, bis die Polizei kam. In Berlin kettete sie sich vor dem deutschen Umweltministerium an, sie trug Windeln, weil niemand wusste, wann die Polizei den Platz räumen würde.

Aber heute ist es vorbei mit der Ruhe. In mehreren Gruppen hätte die Bewegung an diesem Samstag unangemeldet eine Brücke nahe der Innenstadt sperren wollen. Die Aktivisten wollten ein nette Show abziehen, zentral gelegen, gut sichtbar, mit Tanz, Gesang, Performance und gerettetem Essen aus der Mülltonne als Verpflegung. So wollte XR seine „Rebellionswoche“ starten. Aber Plan A scheiterte, wegen der „Corona-Schwurbler“, wie sie Krumpeck nennt.

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