Aufg'sperrt is'!

Nach sieben Monaten Lockdown öffnen heute die Lokale. Was man tun muss, um reinzukommen: Die wichtigsten Regelungen im Überblick.

Soraya Pechtl
FALTER.MORGEN, 19.05.2021

Stammgäste feiern nach dem ersten Lockdown im Mai 2020 die Gastro-Öffnung im Café Stefan in Simmering © Christopher Mavrič

Nach sieben langen, harten, dunklen Lockdown-Monaten öffnen wieder Gaststätten, Hotels, Theater, Fitnessstudios. Aber auf jeden Öffnungsschritt kommen mindestens doppelt so viele Begleitmaßnahmen und nochmal so viele Fragen. Wie lange gilt der Testnachweis? Ab wann die Impfung? Und wann muss ich das Lokal wieder verlassen? Wir haben die wichtigsten Fragen zusammengestellt und beantwortet.

 

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Wie komme ich in den Schanigarten und ins Theater?

Nicht nur eine große Auswahl an Erfrischungsgetränken steht Ihnen in den Beisln zur Verfügung. Auch bei den Zutrittsmöglichkeiten gibt es gleich zehn verschiedene Varianten. Kennen Sie sich noch aus? Hier ein Überblick:

  • Getestet: Ein negativer PCR-Test ist drei Tage gültig, ein Antigen-Test aus Apotheke oder einer Teststraße zwei und die Nasenbohrertests für daheim einen. In Ausnahmefällen können Sie sich auch im Lokal testen lassen. Die „Eintrittskarte” gilt allerdings nur für die Dauer des Besuchs. Schülerinnen und Schüler dürfen Lokale betreten, wenn sie ihren Test-Stickerpass dabeihaben. (Hier ein Überblick über die Wiener Teststraßen.)
  • Gepikst: Die gute Nachricht: Ein Impfnachweis gilt neun Monate. Die weniger gute: Es bleibt kompliziert. Wurden Sie erst einmal geimpft, muss das mindestens 22 Tage, aber nicht länger als drei Monate her sein. Bei Vakzinen mit nur einer Dosis darf der erste Stich nicht mehr als neun Monate zurückliegen. Als Nachweis gelten: Impfpass, Impfkarte (die bekommen Sie, wenn Sie Ihren Impfpass nicht mit hatten) oder ein Impfausdruck Ihres Arztes.
  • Genesen: Sie haben bereits eine Corona-Infektion überstanden? Dann gelten als Nachweis ein Absonderungsbescheid oder eine ärztliche Bestätigung, die nicht älter ist als sechs Monate sein dürfen oder ein Antikörpernachweis, der weniger als drei Monate zurückliegt, als Nachweis.

Ab Anfang Juni wird das ganze – mit dem Grünen Pass – dann auch endlich digital.

Was darf ich, wenn ich mich weniger als 15 Minuten in einem Lokal aufhalte?

Können Sie sich noch erinnern? Im November mussten Sie beim Lokalbesuch Ihre Kontaktdaten angeben. Das gilt mit einer Ausnahme auch ab heute wieder. Wenn Sie sich weniger als 15 Minuten in einem Restaurant oder einer anderen „Betriebsstätte“ aufhalten, entfällt die Registrierung (aber nicht der Nachweis geimpft, genesen oder getestet zu sein). Nur: Wer soll das überprüfen? Verantwortlich sind die Wirtinnen, Hoteliers oder der Fitnessstudiobetreiber. Sie sollen einschätzen, ob jemand länger als 15 Minuten bleiben wird. „Wenn Sie nach einer Viertelstunde nur kurz raus gehen, um Luft zu schnappen, dann zählt das trotzdem als längerer Besuch. Die Zeitspanne hat den Sinn, dass die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung nach 15 Minuten deutlich steigt, und man ohne diese Ausnahme nicht mal aufs Klo gehen könnte, ohne sich registrieren zu müssen”, sagt ein Sprecher des Gesundheitsministeriums gegenüber FALTER.morgen.

Übrigens: Der Betreiber darf ihre Daten nur zum Contact-Tracing verwenden und muss sie nach 28 Tagen wieder löschen.

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Geht After Hour im Park?

Um 22 Uhr ist Sperrstunde. Dann müssen alle Lokale und Schanigärten leer sein, sonst drohen den Wirtinnen und Wirten Strafen von bis zu 3.600 Euro. Aber was passiert danach? Dürfen die Lokalgäste die Feier vom Schanigarten in den nächsten Park verlegen? „Das wird vom Wetter abhängen, aber wir können das nicht ausschließen. Es wäre jedenfalls erlaubt, wenn man sich an die Regeln hält”, sagt ein Sprecher der Polizei Wien. Und die lauten im Wesentlichen: Es dürfen maximal zehn Personen gemeinsam weiterfeiern. Größere Treffen sind nach 22 Uhr nicht mehr erlaubt.

Die Polizei hat angekündigt, die Einhaltung der Maßnahmen in einer Schwerpunktaktion zu kontrollieren.

Wie sicher sind die Öffnungen?

Vor einem Monat haben Epidemiologen noch vor den Öffnungsschritten gewarnt. Hat sich seither etwas verändert? Am Montag gab es in Österreich 462 Neuinfektionen. Das war der niedrigste Wert seit acht Monaten. Gestern waren es österreichweit 562 (die Zahlen vom Wochenende sind immer etwas niedriger). „Die Situation hat sich sehr verbessert, fast über die Erwartungen hinaus“, sagt Eva Schernhammer, Leiterin der Abteilung für Epidemiologie an der Medizinischen Universität Wien. Das liege unter anderem an den steigenden Temperaturen und der höheren Durchimpfungsrate.

Könnten die Öffnungen diese Erfolge wieder zunichte machen? „Nein, davon muss man nicht ausgehen. Es gibt extrem ausgefeilte Sicherheitskonzepte. Alles ist sehr gut überwacht. Ich mach mir keine großen Gedanken“, sagt die Epidemiologin.

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