Am Apparat: Telefonkolumne

Wie läuft es mit den Tests im Tourismus, Herr Schellhorn?

INTERVIEW: EVA KONZETT
Politik, FALTER 23/21 vom 09.06.2021

Zutritt nur für Geimpfte, Getestete und Genesene, Gratistests für die Mitarbeiter im Tourismus: So will die Regierung die Wirtshäuser und Hotels in die Sommersaison führen. Ist das eine gute Idee? Der Falter fragt bei Hotelier und Neos-Wirtschaftssprecher Sepp Schellhorn nach.

Seit dem 19. Mai dürfen Hotels und Wirtshäuser wieder öffnen. Wie hat es mit den drei G funktioniert?

Eigentlich sehr gut. Wir haben in all unseren Betrieben, sprich Gastronomie und Hotellerie, unsere Gäste kontrolliert. Einige wenige Gäste haben die Kontrolle in der Gastronomie verweigert und dann keinen Platz bekommen. Einen Platz zu verweigern ist nicht lustig, aber wir stehen hier in der Verantwortung.

Warum hat die Regierung neben der PCR-Schiene noch die Möglichkeit der Antigen-Tests eingeführt? Macht das Sinn?

PCR-Tests waren und sind nicht in ausreichender Zahl - und vor allem zu vernünftigen Kosten - verfügbar. Das, was "Alles gurgelt!" in Wien macht, ist eine hohe Kunst der Logistik, die sich im ländlichen Raum so nicht abbilden lässt.

Wie steht es eigentlich um das Projekt der "Sicheren Gastfreundschaft"? Ab Juli 2020 hätte das Tourismusministerium wöchentlich 65.000 PCR-Tests bei Mitarbeitern in der Tourismusbranche durchführen wollen.

Elisabeth Köstingers Projekt war Populismus ohne Teststrategie. Selbst Spitzenfunktionäre der WKO verabschiedeten sich von diesem Flop. Statt der angepeilten 1,5 Millionen Tests brachten WKO und Köstinger nicht einmal ein Drittel auf den Boden. Dass reichte aber, um bei einigen rasch gegründeten Test-Unternehmen die Kassen klingeln zu lassen. Bis heute ist offen, welche Firmen zu welchem Preis die Tourismus-Tests an die Beschaffungsagentur weiterverrechnet haben. Fest steht nur, der Steuerzahler sprang für diesen türkisen Marketing-Gag ein. Viele Mitarbeiter sind jetzt über die betrieblichen Impfprogramme bereits geimpft.

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