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Ein Pulitzer-Preis für Christo Buschek

BARBARA TÓTH
Medien, FALTER 24/21 vom 16.06.2021

Die Ergebnisse der Recherche von Buschek, Megha Rajagopalan und Alison Killing wurden im August 2020 auf BuzzFeed veröffentlicht (Foto: Screenshot BuzzFeed)

Die Ehrung kam aus dem Nichts. "So ganz glaube ich es noch nicht", sagte der gebürtige Grazer Christo Buschek (41), als er von der Austria Presse Agentur (APA) in Berlin, seinem aktuellen Wohnort, erreicht wurde. Am Freitag wurde der renommierte Pulitzer-Preis - quasi der Oscar für Journalisten - an eine Recherche des US-amerikanischen Portals BuzzFeed vergeben. Buschek hatte ab 2018 gemeinsam mit den Journalistinnen Alison Killing und Megha Rajagopalan über die von chinesischen Behörden betriebenen Uiguren-Umerziehungs-Camps recherchiert. Sie fanden viel mehr dieser Lager als offiziell bekannt.

Der Softwareentwickler ist auf datenbezogene Recherchen für Menschenrechtsorganisationen und Investigativjournalisten spezialisiert. "In China werden viele Uiguren eingesperrt oder verhaftet. Wie viele es wirklich sind, ist unklar, und in China sind auch keine ausländischen Journalisten erlaubt, die das recherchieren könnten", erzählt er der APA. Zu Beginn der Recherchen seien 25 bis 30 Lager bekannt gewesen, "aber wir wollten rausfinden, wie viele es wirklich gibt". Daher schrieb Buschek ein Programm, das Karten von Baidu Maps - dem chinesischen Pendant zu Google Maps - auswertete und unkenntlich gemachte Flecken auf der Karte fand. Diese Vielzahl an Ergebnissen wurde dann noch einmal eingeschränkt, und zwar auf jene mit Infrastrukturanschlüssen wie Straßen. So wurden 280 potenzielle Camps gefunden. Die Ergebnisse der Recherche wurden im August 2020 auf Buzz-Feed veröffentlicht. Hat Buschek Vorbilder? "Heroes habe ich nicht wirklich. Ich glaube, dass wir prinzipiell diejenigen mehr schätzen sollten, die täglich und unermüdlich Missstände aufdecken und darüber berichten, ohne dafür im Rampenlicht zu stehen", schreibt er dem Falter.

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