Ohren auf: Leise laute Lieder

Der Traum vom Glück, ein Leben lang

GERHARD STÖGER
Feuilleton, FALTER 25/21 vom 23.06.2021

Iwanna be happy until I die", singen Andreas Dauböck und Nadine Abado vom Aktionstheater Ensemble, der gesamte Text des Liedes besteht aus kaum mehr als dieser Zeile. Und doch ertönt hier weniger eine Hymne auf das geglückte Leben als vielmehr zart wehmütiges Sehnen. Erstmals zu hören war dieses Kleinod in einer Produktion des Theaterkollektivs, dessen Stücke nicht zuletzt durch kundigen Musikeinsatz auffallen. Nun ziert es neben neun weiteren Aufnahmen von Bühnenliedern "Lonely Ballads. Reduced Songs to Step Back" (Noise Appeal Records). Der (Unter-)Titel des Albums ist Programm; Reduktion und Zurückhaltung in den Arrangements heißen freilich nicht, dass es auf dieser gelungenen Arbeit einen Mangel an Intensität gäbe.

Das Reinhart Sellner Duo setzt ebenfalls auf Reduktion: Dialektgesang, der zwischen Kraft und Sensibilität pendelt, und die akustische Gitarre prägen "Walk On" (ATS). Sellner, Jg. 1947, zählte zur kritischen heimischen Liedermacherszene der 1970er-und 80er, er arbeitete als Lehrer und ist bis heute in der Gewerkschaft aktiv. Unterstützt vom jüngeren Kollegen Timo Brunnbauer ging er erstmals seit Jahrzehnten wieder ins Studio. Das bluesgetränkte Ergebnis eint eigene Lieder und Covers (etwa von Sigi Maron und John Lennon). Es mag ästhetisch aus der Zeit gefallen sein, rührt aber auch ohne Zeitzeugen-Nostalgie.

Auch bei Willi Landl ist aktives Zuhören gefragt; statt Sozialkritik regiert bei ihm freilich das Spiel mit Worten. Unterstützt von Michael Hornek am Klavier gibt der Wiener Jazzsänger mit oberösterreichischen Wurzeln auf seinem vierten Album " Abstruse Gestalten" (Wohnzimmer) erneut den Chanson-Entertainer mit Faible fürs Absurde. Reime sind in seinen Texten verpönt, klassische Strophe/Refrain-Strukturen ebenso. Konventionelles Geschichtenerzählertum interessiert Landl nicht, originelle Nabelschau und eigenwillige Weltbetrachtungen dafür umso mehr.

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