Verhagelt

Mit der neuen Agrarpolitik steckt die EU weiterhin Milliarden Euro auch in eine die Natur zerstörende Landwirtschaft – und streut dann noch einmal Milliarden drüber, um die Schäden zu begrenzen

Gerlinde Pölsler
NATUR, FALTER 26/21 vom 29.06.2021

Foto: istock/marcus millo

Hagel so groß wie Tennisbälle: Nicht nur im tschechischen Dreiländereck, wenige Kilometer von Österreichs Grenze entfernt, wüteten vergangene Woche Unwetter und sogar ein Tornado, der mindestens fünf Tote forderte. Auch in Österreich konnte man nach tagelanger Hitze in einigen Gemeinden meinen, der Winter sei zurück – so viel Hagel prasselte vom Himmel, dass die Straßen weiß waren und Schneepflüge ausrücken mussten. Die eisigen Bälle durchlöcherten Dächer und zerfetzten Schutznetze. Quer durchs Land zerstörten Hagel, Sturm und Starkregen Kulturen von Obst und Mais, Getreide und Wein in einem Ausmaß von der Agrarfläche des Burgenlands.

All das wird künftig häufiger und stärker werden, warnt die Wiener Klimaforscherin Helga Kromp-Kolb. „Es geht nicht linear weiter, sondern exponentiell.“ Der Grund: Wenn sich die Lufthülle der Erde erwärmt, entsteht mehr Energie, die wärmere Luft nimmt mehr Wasserdampf auf, und da ist es nicht mehr weit zu Unwettern. Kromp-Kolb: „Das nächste halbe Grad Erwärmung wird deutlich mehr Pro­bleme bringen als das vorangegangene. Wir spielen mit dem Feuer.“

Verursacher gibt es viele: zu hoher Energieverbrauch, ausufernde Bodenverbauung, die autolastige Mobilität, die Industrie, die Verschwendung von Ressourcen allerorten. Verantwortlich ist aber auch die Landwirtschaft: Ihr Ausstoß an Treibhausgasen macht ein Zehntel aller Emissionen der EU aus, rechnet der Europäische Rechnungshof vor. Und sie ist einer der Haupttreiber der Biodiversitätskrise. Die Populationen an Feldvögeln und Wiesenschmetterlingen auf und um Äcker haben seit 1990 um fast ein Drittel abgenommen: Weil Pestizide Insekten den Garaus machen, die dann Vögeln als Fressen fehlen. Und weil Schmetterlinge auf eintönigen Feldern ohne Hecken und Raine weder genug Futter noch Unterschlupf finden.

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