Teilzeit-Schwede
Oder wie ich lernte, dass "skandinavisch" ein relativer Begriff ist
URBANISMUS-KOLUMNE
Die Wiener Tourismuswirtschaft hat etwas aufzuholen: Wegen einer Seuche fielen die ersten fünf Monate des Jahres ins Wasser, nach der Impfwelle sollen nun der Herbst und der Advent Devisen an Land spülen.
Dieser Tage stellt der "WienTourismus" potentiellen Besuchern aus acht Ländern "Seelennahrung" in Aussicht, die Stadtvermarkter planen eine Zeitungskampagne für Kongressveranstalter und einen Luxusimagefilm für superreiche Reisende.
Weil das Tourismuswunder an mir nicht scheitern soll, habe ich mich schlaugemacht, was Wienbesucher von der Kulisse und ihren Bewohnern erwarten und dutzende ausländische Reiseführer, -blogs und -guides studiert. Am liebsten die Gebarenskapitel, die Wiener Alltagsgewohnheiten zusammentragen. Um den Zuversichten des belesenen Touristen zu entsprechen, möge sich der typische Wiener bitte ab sofort wie folgt verhalten: Wiener tragen gerne Schnauzbärte, und besuchen am Sonntag ihre Großeltern, um wandern zu gehen. Wiener grüßen im Supermarkt laut und lernen das Sitzpinkeln von Kind auf. Sie kleiden sich auch in ihrer Freizeit edel, außer beim Baden, da sind sie fast ausnahmslos nackt. Auf Fahrrädern sind Wiener aggressiv, und wenn Fußgänger rote Ampeln missachten, bekommen sie drakonische Strafen.
Männer betreten Gaststätten vor Frauen, bestellen Wasser aus den Wiener Alpen und paniertes Rindfleisch, das sie niemals mit dem Messer schneiden, sondern stets mit der Gabel teilen. Kellner hassen ihre Gäste. Alsdann!