„Wir überlassen die nationale Sicherheit Privatfirmen“

Marietje Schaake wollte als EU-Parlamentarierin den Tech-Konzernen strenge Regeln auferlegen. Jetzt forscht sie in Stanford zur Politik der künstlichen Intelligenz. Ein Gespräch über die Grenzen des Fortschritts

Eva Konzett
MEDIEN, FALTER 40/21 vom 05.10.2021

Foto: Standford Cyber Policy Center

Wie viel Gefahr birgt der technologische Fortschritt? Big Data, raffinierte Algorithmen und Machine-Learning setzen Standards des Machbaren auch jenseits der demokratischen Legitimation. Die Niederländerin Marietje Schaake hat zehn Jahre im EU-Parlament für die Regulierung von Tech-Konzernen gekämpft. Seit 2019 steht sie dem Zentrum für Cyber-Politik der Universität Stanford vor. Der Falter hat Marietje Schaake per Zoom in Kalifornien erreicht.

Falter: Französische Minister, ungarische Journalisten und Hatice Cengiz, die Verlobte des ermordeten saudischen Dissidenten Jamal Khashoggi, auf den Mobiltelefonen all dieser Menschen wurde die Software Pegasus gefunden. Diese Software kapert das Gerät und verwandelt es in ein Überwachungszentrum. Laut Hersteller, der israelischen NSO Group, dient die Software der Terrorabwehr. Jetzt werden Unliebsame damit überwacht. Wie kann das sein?

Marietje Schaake: Die Probleme von Spyware, Überwachungs- und Hackingsystemen sind lange bekannt. Als ich vor mehr als zehn Jahren als Abgeordnete im Europaparlament begann, haben wir darüber schon debattiert. Es handelt sich um eine sehr aggressive, sehr invasive Technologie. Das Onlineportal Buzzfeed hat im vergangenen Jahr enthüllt, dass die amerikanische Gesichtserkennungssoftware Clearview AI offenbar auch in Europa eingesetzt wird. Wir müssen also nicht nach Israel gehen, auch wenn der Pegasus-Hersteller NSO Group natürlich gerade ein Scheinwerferlicht auf diese gefährliche Lage wirft. Was kann man dagegen tun? Man könnte die Unternehmen verpflichten, ihre Produkte nur noch mit Lizenz zu verkaufen und dabei nicht nur auf nationale Sicherheitsbedenken zu achten, sondern auch auf Menschenrechte. Von Regierungsseite bräuchte es außerdem viel mehr Transparenz darüber, welche Technologien sie eigentlich einsetzt.

ANZEIGE
  1579 Wörter       8 Minuten

Sie haben bereits ein FALTER-Abo?


Sie nutzen bereits unsere FALTER-App?
Klicken Sie hier, um diesen Artikel in der App zu öffnen.

Jetzt abonnieren und sofort weiterlesen!

Jetzt abonnieren und sofort weiterlesen!

Print + Digital

  • FALTER sofort online lesen
  • Wöchentliche Print-Ausgabe im Postfach
  • FALTER als E-Paper
  • FALTER-App für iOS/Android
  • Rabatt für Studierende
Jetzt abonnieren

1 Monat Digital

  • FALTER sofort online lesen
  • FALTER als E-Paper
  • FALTER-App für iOS/Android
Jetzt abonnieren

Digital

  • FALTER sofort online lesen
  • FALTER als E-Paper
  • FALTER-App für iOS/Android
  • Rabatt für Studierende
Jetzt abonnieren
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Alle Medien-Artikel finden Sie in unserem Archiv.

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe 6 Monate FALTER um 3,20 € pro Woche
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!