Ohren auf Aus lokalem Anbau

Ironie und Tiefgang, Zucker und Zartheit

GERHARD STÖGER
Feuilleton, FALTER 40/21 vom 06.10.2021

Dass der österreichische Schauspieler Robert Stadlober eine Zweitidentität als Gitarrist und Sänger hat, ist bekannt. Nur wurde er bislang vor allem als englischsprachiger Indierocker auffällig. Nun singt der 39-Jährige erstmals deutsche Texte. Allerdings nicht aus eigener Feder. Vielmehr hat er mit Klara Deutschmann (Oboe, Blockflöte, Gesang) und Daniel Moheit (Akkordeon) unter dem Projektnamen Heym Gedichte des DDR-Autors Stefan Heym (1913-2001) zu Liedern geformt; Andreas Spechtl von der Gruppe Ja, Panik wirkte als Produzent mit. Die in den 1930er-Jahren entstandenen Texte auf "Vom Aufstoßen der Fenster" (Argon Verlag) handeln von Liebe, Tod, Aufbruch, Widerstand, Klassengegensätzen, Verzweiflung und Hoffnung. Das ist teils schwerer Stoff; durch die reduzierten und zumeist akustisch-balladesken Arrangements sind diese 19 Lieder letztlich aber voll Zartheit und Wärme.

Ein Elektronikprojekt zwischen esoterisch und verblödelt lässt der Name Seelomat befürchten. Doch weit gefehlt: Die Wiener Band um den Songwriter Gerhard Grasböck spielt auf ihrem Debüt "So jung" ( Eiffelbaum) Chansonrock der vorwiegend ruhigen Gangart, bisweilen ein wenig angejazzt oder mit weltmusikalischen Elementen versetzt; in Grasböcks Sprechgesang klingt, ein weiterer Pluspunkt, Georg Danzer an. Schmähführen ist nicht seine größte Stärke, auch die Gesellschaftsbetrachtung "Söwa denga" gerät etwas platt. Umso gelungener sind die zwischenmenschlichen Betrachtungen, die zum Glück das Gros des Albums ausmachen.

Völlig anders sind die ironischen Gaudiwurzn Kahlenberg um den Sänger Frank Hoffmann gestimmt. Auch auf ihrem zweiten Album "Wiener Zucker" (Affluenza) geben die fünf Wiener wieder die Ohrwurmpop-Schnöselversion von Wanda. Hat man sich erst mit dem ständigen Augenzwinkern arrangiert, warten hier nette Songs und böse Pointen.

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