Geld trinken

Eine der größten Vinotheken Wiens eröffnete neu und hat auch eine Bar dabei

Florian Holzer
12.10.2021

Foto: Heribert Corn

Hans Kilger ist ein höchst interessanter Mann. Vor sechs Jahren begann der Münchner Steuer- und Wirtschaftsberater damit, in österreichische Weingüter und Gastronomie zu investieren. Und das in einem Ausmaß, dass einem schummerig werden kann: Begonnen hat alles mit einem 13-Hektar-Weingarten bei Gamlitz in der Steiermark, dann kam eine Hälfte-Beteiligung beim burgenländischen Weingut Uwe Schiefer, Übernahme des Gasthauses (samt Kino und Fleischhauerei) Hasewend in Eibiswald, das Res­taurant Jaglhof und Schloss Gamlitz, der Stupperhof in Kitzeck, die Kaminstubn in Deutschlandsberg, eine 60-Prozent-Beteiligung am südburgenländischen Gourmetrestaurant samt Hotel Ratschen und die Übernahme des Loisium-Hotels in der Südsteiermark.

Ah ja, und das Mineralwasser Petersquelle und ein Campingplatz in Gamlitz und ein Stand am Naschmarkt. Und ein 27 Quadratkilometer großes Gut in Siebenbürgen, wo Bisons, Wasserbüffel, Watussirinder, Yaks und Mufflons gezüchtet werden. Sagen wir so: Die eigene Web­site kommt nicht mehr nach.


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Deutlich wird dabei jedenfalls, dass Wein & Genuss längst nicht mehr nur zur Freude von Leib und Seele dienen, sondern als Investment-Bereich „entwickelt“ werden. Wieder eine romantische Vorstellung weniger.

Eine der jüngsten Erwerbungen der Domaines Kilger waren das weststeirische Weingut der Familie Müller und dessen internationaler Weinhandel, zu dem auch die Vinothek Der Wein in der Riemergasse gehörte. Die mit Kilgers Wein Kost Laden einen neuen Namen, einen neuen Anstrich und auch eine neue – günstigere – Preisgestaltung bekam (was sich vor allem bei den über 800 Positionen hochpreisiger Bordeaux auswirkt). Alle Weine aus der riesigen Vinothek können mit Fix-Aufschlag (€ 8,/12,–) in der Bar getrunken werden, die halt nur leider eher karg und nicht übermäßig einladend wirkt.

Und zu essen gibt’s auch, und zwar einerseits Tapas aus der eigenen Fleischhauerei sowie Schinken und Würste von Bison & Co.

Blöd halt, dass man es nicht schaffte, bei all den ungeheuerlichen Investments, in der Weinbar eine ­Gastro-Konzession zu erlangen, weshalb hier nur Kaltes serviert werden kann.

Pulpo-Salat auf Salatblatt mit Aioli und lila Chips zum Beispiel, eh nett, bisserl wenig halt (€ 4,80), Entenleber mit Feige auf Brioche auch fein, etwas retro (€ 5,80). Die „Jause“ aus Schinken und Wurst von Büffel, Bison und Hirsch ist üppig dimensioniert, einziges Problem: Die Schinken und die Würste schmecken eigentlich ziemlich gleich (€ 14,90).

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Wenn die Investments mal Pause machen, könnte man ja eventuell ein wenig an den Rezepturen arbeiten.

Resümee:

Zu Gast beim augenblicklich größten Investor in heimischen Genuss-Angelegenheiten bei viel Wein und recht identen Schinken.

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