„Meine Geschichte ist ein Präzedenzfall“

Der französische Landwirt Paul François gewann einen Prozess gegen den Düngemittelkonzern Monsanto. Ein Gespräch über seine Vergiftung, seinen Umstieg auf Bio und die globale Zukunft der Landwirtschaft

Katharina Kropshofer, Rafael Ferreira Caetano
NATUR, FALTER 43/21 vom 26.10.2021

Foto: Tom Hofer

Ein paar Atemzüge genügten, um den Rest seines Lebens zu verändern. Als der französische Landwirt Paul François 2004 Dämpfe des Unkrautvernichtungsmittels „Lasso“ einatmet, wird er mit schweren Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus gebracht. 2007 beschließt François, Monsanto, den Hersteller des Produkts und heute Teil des Unternehmens Bayer, zu verklagen. Er gewinnt den Prozess, auch nachdem der Konzern dreimal Einspruch erhoben hatte. Seither hat er die konventionelle Landwirtschaft hinter sich gelassen und lebt als Bio-Bauer im Westen Frankreichs. Die Dokumentation „La vie est dans le pré“ (Life Beyond Monsanto) über den Rechtsstreit und seinen Umstieg wurde letzte Woche beim Innsbruck Nature Film Festival als bester Film in der Kategorie „Environment“ ausgezeichnet.

Falter: Herr François, 2020 haben Sie als einer der Ersten ein Gerichtsverfahren gegen Monsanto nach der dritten Berufung gewonnen. Können Sie sich an den Moment erinnern, als Sie von Ihrem Sieg erfahren haben?

Paul François: Zuerst einmal war es eine große Erleichterung. Es war schließlich der Höhepunkt nach zehn Jahren Gerichtsverhandlung. Aber meine Emotionen waren gemischt: Meine Frau Sylvie wollte am Anfang nicht, dass ich das mache. Sie war der Meinung, dass es ein unverhältnismäßiger Kampf sein würde, weil Monsanto eine der mächtigsten Firmen der Welt ist – und ich nur ein einfacher Bürger. Ich habe es trotzdem getan und sie war immer an meiner Seite. Bis zum 11. September 2018, als sie plötzlich im Schlaf starb. Der Kampf ist auch heute nicht ganz vorbei. Das Schadenersatzverfahren wird noch einige Jahre dauern. Immer, wenn ich aufhören will, sagen mir meine Töchter: Du musst das für Mamas Gedächtnis machen. Wenn wir jetzt aufhören, würden wir anderen Opfern signalisieren, dass es nicht einmal eine Entschädigung gibt. Es wäre eine Entmutigung.

  1993 Wörter       10 Minuten

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