Der rechte Gulaschkommunist

Hans Peter Doskozil will die SPÖ anführen. Nicht alle Genossen finden das gut. Für welche Politik steht er?

Barbara Tóth, Nina Horaczek
POLITIK, FALTER 45/21 vom 09.11.2021

Illustration: P. M. Hoffmann

Es war ein klassischer Dosko: Als die Regierung vorigen Freitag die Landeshauptleute zusammentrommelte, um darüber zu beraten, nur mehr Geimpften und Getesteten den Zutritt zu Lokalen, Friseuren, Sport und Kultur zu erlauben, legte sich der Burgenländer wieder einmal quer. Sein Bundesland habe die höchste Impfquote und soll deshalb von Verschärfungen ausgenommen werden, argumentierte Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Beim Treffen selbst saß er dann nur via Videoschaltung mit am Tisch, was ihn nicht daran hinderte, seinen Unmut deutlich zu deponieren. Seine Stimme, nach mehreren Kehlkopfoperationen chronisch angeschlagen, klingt in solchen Momenten rasselnd und rauchig, aber nicht mehr ganz so schwach. Am Ende musste Doskozil doch zustimmen – zähneknirschend zwar, aber er hatte zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung seinen Punkt gemacht.

Hawidere, wie die Burgenländer gerne sagen, also: Habe die Ehre! Hat er, Doskozil, im östlichsten Bundesland Österreichs, diesem oft belächelten, schmalen Landstrich zwischen den Kleinstädten Neusiedl am See und Güssing, nicht die Impfquote auf über 70 Prozent getrimmt? Ist nicht ihm die Impflotterie eingefallen, die jetzt vom Impfnachzügler Oberösterreich kopiert wird? Und jetzt fällt sein Völkchen, das heuer 100 Jahre Burgenland feiert, auch noch um die geplante Eröffnung am Landesfeiertag zu Martini am 11. November als Belohnung um. Dass das Burgenland mit knapp 300.000 Einwohnern weniger zählt als die Wiener Bezirke Favoriten und Simmering zusammen, spielt in Doskozils Welt keine Rolle.

Pannonia ist eindeutig zu klein geworden für das Ego dieses vor Selbstbewusstsein strotzenden Politikers. Doskozil, 51, seit bald drei Jahren Landeshauptmann und im vierten Jahr als SPÖ-Landesparteichef, sieht sich als Mann der Stunde. Bei – nach seiner Prognose – vorgezogenen Nationalratswahlen im kommenden Frühjahr würde er am liebsten als SPÖ-Kanzlerkandidat ins Rennen gehen. Mit der aktuellen Parteichefin Pamela Rendi-Wagner sei der erste Platz nicht zu holen und damit auch keine progressive Mehrheit links der Mitte mit Grünen und Neos, heißt es im Eisenstädter Landhaus. Mit Doskozil hingegen könnte die SPÖ verunsicherte Kurz-Wähler mit blauen Wurzeln gewinnen.

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