Warum der neue Radweg vom 14. in den 18. Bezirk nicht hält, was das Rathaus verspricht

Eine durchgehende, sichere Radstrecke von Penzing bis nach Währing? Klingt gut. Bis man versucht, sie zu befahren.

Soraya Pechtl
FALTER.MORGEN, 15.11.2021

Foto: Soraya Pechtl

Lächelnd, mit Sonnenbrille und im Sattel ließen sich Verkehrsstadträtin Ulli Sima und die Bezirksvorsteher von Penzing, Ottakring und Hernals vorige Woche ablichten, um die neue Radverbindung zwischen 14. und 18. Bezirk einzuweihen (wir haben berichtet) und damit einen „wichtigen Lückenschluss im Hauptradverkehrsnetz” (Sima) zu feiern. Klingt doch gut, oder?

Wir haben uns den Radweg genauer angesehen.

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Eines vorweg: Das, was tatsächlich neu an der neuen Radverbindung ist, befindet sich zwischen 16. und 17. Bezirk. Im 14., 15. und 18. bleibt alles beim Alten. „Die Anbindung zum 14. ist immer noch schlecht”, kritisiert Ulrich Leth, Verkehrsplaner an der TU Wien.

Und auch an den Abschnitten im 16. und 17. gibt es Kritik: „Der Lückenschluss ist ein Trugschluss”, schreibt eine FALTER.morgen-Leserin – weil es auf der Strecke weiterhin lange Abschnitte ohne sicheren Radweg gebe: „In meinen Augen ist es eine große Augenauswischerei, solche Strecken als Lückenschluss und ‚sicher‘ rauszuposaunen.”

Also ab auf’s Rad und hinaus in den 16. Bezirk: Bei der U3-Station Ottakring, wo laut Plan die neue Verbindung startet, schaut alles noch in Ordnung aus. Die ersten 400 Meter hinunter bis zur Ottakringer Straße gibt es einen baulich von der Fahrbahn abgetrennten Radweg. Der war zwar vorher auch schon da, allerdings nur in eine Richtung – jetzt verläuft er in beide.

Auch die nächsten hundert Meter über die Kreuzung Ottakringer Straße/Paltaufgasse bis zur Weinheimergasse führt jetzt ein neuer Radweg. So weit, so gut. Doch dann kommt der längste Abschnitt der neu errichteten Route: Die 1,6 Kilometer lange Heigerleinstraße.

„Eine fahrradfreundliche Straße” soll sie sein. Aber Radweg ist hier keiner zu sehen – lediglich ein großes Fahrrad-Piktogramm am Boden. Querende Fahrzeuge haben keinen Rechtsvorrang, und die wenigen kleinen Erhöhungen, die auf der Fahrbahn angebracht wurden, dürften Autos nicht wirklich zum Bremsen anregen. Gut geschützt vom Verkehr fühlt man sich als Radfahrerin hier nicht; das wäre, wie eine Studie der TU Wien zeigt, nur mit einem baulich getrennten Radweg oder einer Fahrradstraße (Autos dürfen die Straße queren, aber nicht durchfahren) der Fall.

Dass es auf der Heigerleinstraße noch keine Radinfrastruktur gebe, ist für den Verkehrsplaner Leth ein Problem: „Das ist eigentlich der problematische Teil der Strecke: Hier verläuft ein Schleichweg, der für Autofahrer besonders bequem für ist: Sie haben freie Fahrt, weil die Querstraßen benachrangt sind.”

Erst auf den letzten hundert Metern zwischen Arzbergergasse und Hernalser Hauptstraße gibt es eine geteilte Fahrspur für Radfahrer.

Im Büro von Verkehrsstadträtin Sima versteht man die Kritik nicht. Ein echter „Quantensprung” sei die Radverbindung, heißt es dort. Die Planungen habe man nach „bestem Wissen und dem Stand der Technik“ umgesetzt.

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