„Dann wird es richtig teuer“

Der Österreich-Ableger des Bezahlsenders Sky hat ein Problem: Interne Mails deuten darauf hin, dass dort in großem Stil Arbeitszeitaufzeichnungen gefälscht wurden.

Josef Redl
FALTER.MORGEN, 10.12.2021

Studio von Sky Sport: „Beschönige heimlich ein bisschen.” © Sky Sport Austria

22. August 2019: Uwe König, Chef der Österreich-Redaktion des Bezahlsenders Sky, schickt ein Mail an mehrere leitende Angestellte. Betreff: „Thema Arbeitszeiten und Verstöße”. Der Ton ist dringlich: „Wir müssen uns was überlegen, es gibt massenhaft Verstöße in der Redaktion und die nächste Prüfung kommt bestimmt und dann wird es richtig teuer”, schreibt König. Der Sender, der die TV-Rechte an der österreichischen Fußball-Bundesliga, der Champions League und anderen Sportveranstaltungen hält, hat offenbar ein Personalproblem. Und das führt dazu, dass die Redakteure länger arbeiten müssen als vom Gesetz erlaubt. Schon einmal wurde das Unternehmen nach einer Prüfung durch das Arbeitsinspektorat deswegen zu einer empfindlichen Geldstrafe verurteilt. Geändert hat sich deswegen nichts. Im Gegenteil: Wer intern Missstände anprangert, muss um seine Karriere fürchten.

Dem FALTER.morgen liegen die monatlichen Zeitaufzeichnungen von mehreren Mitarbeitern der österreichischen Sky-Redaktion vor. Das System ist simpel: Die Mitarbeiter tragen – auf die halbe Stunde genau – ihre Arbeitszeiten und Pausen ein. Am Ende jedes Monats wird das Dokument ausgedruckt, unterschrieben und der Personalabteilung übermittelt. Wird die höchstzulässige tägliche Arbeitszeit von zwölf Stunden überschritten, oder die Mindestruhezeit von elf Stunden am Tag unterschritten, schlägt die Software Alarm. Die entsprechenden Einträge werden rot markiert.

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Und die Aufzeichnungen der Sky-Mitarbeiter enthalten viele rote Felder. Vor allem an Wochenenden mit vielen Fußball-Übertragungen. Arbeitstage von 14 oder 15 Stunden sind keine Seltenheit. Wie bei Sky Sport Austria mit solchen Überschreitungen umgegangen wird, zeigt ein Email-Verkehr aus dem Jahr 2020, der dem FALTER.morgen ebenfalls vorliegt.

Am 21. Juli 2020 erhält Senderchef Uwe König ein Mail aus der Personalabteilung mit Arbeitszeitaufzeichnungen, die Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz enthalten. Er bittet den damaligen Anchorman Thomas Trukesitz um eine Erklärung. Dessen Antwort: „Was soll ich sagen? Ich kann’s gerne korrigieren und noch mehr beschönigen, hat ja mit der Realität sowieso nichts zu tun.” Senderchef König schreibt zurück: „Ich weiß, beschönige heimlich ein bisschen.”

Trukesitz muss keine Aufzeichnungen mehr frisieren. Ihm wurde im April nach 17 Jahren bei Sky Österreich die Kündigung ausgesprochen. Zuvor hatte Trukesitz fragwürdige Beschäftigungsverhältnisse beim Pay-TV-Sender kritisiert: Ein leitender Angestellter soll bei Honoraren für Freelancer eine Vermittlungsgebühr mitgeschnitten haben.

Der langjährige Leiter der Abteilung Live-Fußball, Mathias Deuring, ging sogar noch einen Schritt weiter: Er informierte die Compliance-Abteilung von Sky, das Teil der börsennotierten US-Mediengruppe Comcast ist. Der Fall wurde zu den Akten gelegt. Einzige Konsequenz: Deuring wurde als Abteilungsleiter abgesetzt. Auch die systematische Fälschung der Arbeitszeitaufzeichnungen hat Deuring inzwischen angezeigt. „Ich kann bestätigen, dass ich als Whistleblower diese Missstände gemeldet habe, dazu bin ich laut den Konzernrichtlinien auch verpflichtet. Es sieht allerdings so aus, als ob mich das meine Karriere gekostet hätte”, so Deuring auf Anfrage des FALTER.morgen. Uwe König wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Ein Sky-Sprecher bestätigt allerdings, dass die Vorwürfe derzeit durch eine externe Anwaltskanzlei untersucht würden.

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