PETERS TIERGARTEN

Dopingszene

Peter Iwaniewicz verweigert keine Dopingtests, aber Schönheitswettbewerbe

Peter Iwaniewicz
Natur, FALTER 50/21 vom 15.12.2021

Zeichnung: Georg Feierfeil

Seit 1. Dezember bis zum 12. Jänner findet im Königreich Saudi-Arabien das King Abdulaziz Camel Festival statt. Zu dieser Veranstaltung kommen täglich bis zu 100.000 Menschen, die sich nicht nur die 16 verschiedenen Bewerbe für Kamele ansehen, sondern auch das Rahmenprogramm mit Shows und Kulturprogrammen besuchen.

In Europa hätten wir davon fast nichts erfahren, hätte es nicht diese Meldung in den Medien gegeben: Beim Schönheitswettbewerb wurden 40 Kamele disqualifiziert, weil ihrem Aussehen mit Botox nachgeholfen wurde. Es gibt immerhin insgesamt 66 Millionen Dollar an Preisgeldern zu gewinnen. In Österreich sind wir mit Schönheitsidealen von Kamelen wie hängende Lippen nicht vertraut, aber auch hier gibt es auf jeder Landwirtschaftsmesse Schönheitswettbewerbe für Kühe. Bestimmte Zuchtmerkmale werden von der Agrarpresse poetisch beschrieben: "Die Siegerin zeigte sich sowohl in ihrem Milchtyp als auch in ihrer Eutertextur überragend." Muh!

Aber zurück zum Dopen, das wie in fast jedem Sport eben auch bei Tieren immer wieder ein Thema ist. Manche mögen das zum Wiehern finden, aber das Wort "doping" bezeichnete ursprünglich sogar nur jene Aufputschmittel, die bei Pferderennen im England des 19. Jahrhunderts zum Einsatz kamen. Damals waren es Mischungen aus Opium, Kokain, Strychnin oder Karbolsäure, mit denen die Siegeschancen der Rennpferde gesteigert werden sollten. Dopingkontrollen bei Menschen wurden hingegen erst 80 Jahre später bei den Olympischen Spielen 1968 eingeführt.

Auch bei Sportarten wie Schach, bei denen man keine illegale Leistungssteigerung vermuten würde, werden Dopingtests durchgeführt. 2007 wurde die Wiener Schachsportlerin Monika Galambfalvy für zwei Jahre gesperrt, weil sie den Wunsch der am Sonntagvormittag bei ihr anklopfenden Anti-Doping-Kontrollore nach einer Urinprobe für einen schlechten Witz hielt und verweigerte.

Was hilft beim sportlichen Denken? Ephedrin und Methylphenidat helfen dabei, schlauer, wacher oder bewusster zu sein. Letzteres ist auch als Ritalin bekannt und kann laut deutschen Studien das Ergebnis eines Schülers, der sich um einen Studienplatz bewirbt, um ganze 100 Punkte steigern, was einer Verbesserung der Intelligenz um ca. sieben IQ-Punkte entsprechen soll. Die FPÖ - wie immer vorn mit dabei an der Front seltsamer Ideen - forderte Drogentests an Schulen.

Ich sage: Bitte auf Pferde und Kamele nicht vergessen!

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