Parkplatzangst

Ein Grätzel in der Nähe des Bahnhofs Wien-Hadersdorf im 14. Bezirk ist von der Pickerlpflicht ausgenommen, die ab 1. März in allen Bezirken gilt. Jetzt fürchten Anrainer einen Ansturm von Pendlern.

Florian Kappelsberger
FALTER.MORGEN, 18.01.2022

Ab hier kein Pickerl: Beginn der Ausnahmezone nahe dem Bahnhof Wien-Hadersdorf (das Verkehrsschild ist noch abgedeckt) © FALTER/Kappelsberger

Was für eine beschauliche Nachbarschaft: In Hadersdorf-Weidlingau im 14. Bezirk reihen sich ergrauende Bauten aus den 1960er und 70er-Jahren an neue Einfamilienhäuser, in denen junge Paare mit Kindern wohnen. Mit der Ruhe hier könnte es allerdings schon bald vorbei sein: Anrainer fürchten, dass die schmalen Straßen ab März massenhaft von Pendlern zugeparkt werden könnten.

Grund: Das Parkpickerl, das ab 1. März in ganz Wien eingeführt wird. Genauer: Die Ausnahmen davon, die das Rathaus für dünn besiedelte Gebiete vorsieht – darunter auch für ein kleines Areal zwischen der Mauerbachstraße und dem Fluss, nur wenige Minuten vom Bahnhof Wien-Hadersdorf entfernt.

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Zahlreiche Pendler nutzen den Bahnhof als Park-and-Ride-Basis: Sie lassen ihre Autos hier stehen und fahren mit der S-Bahn in die Stadt. Schon jetzt sind die Stellflächen an der Haltestelle knapp. Das führt dazu, dass vermehrt auf die umliegenden Wohngebiete ausgewichen wird. Nun befürchten die Anrainer, dass sich diese Tendenz verstärkt, wenn ab März rund um den Bahnhof das Pickerl gilt – wer keines hat, ist fast gezwungen, sein Fahrzeug im einzigen Grätzel abzustellen, in dem man kostenlos parken darf.

„Es ist schlicht und einfach skurril“, sagt eine Anrainerin, die den FALTER.morgen auf diese Regelung aufmerksam gemacht hat. Dass hier kein Parkpickerl gilt, ist nämlich darauf zurückzuführen, dass das Gebiet dem wenig besiedelten Wolfersberg zugeschlagen wurde – von dem es aber durch einen Park und den Mauerbach getrennt ist.

Eine Nachfrage bei Bezirksvorsteherin Michaela Schüchner (SPÖ) schafft etwas Klarheit: Bereits vor Ankündigung der Pickerlpflicht durch die Stadt Wien hatte der Bezirk begonnen, ein neues Verkehrskonzept zu erarbeiten, das insbesondere die Parksituation regeln soll. Das betrifft sowohl das besagte Gebiet um den Bahnhof, als auch den Wolfersberg. Daher werde das ganze Areal bis auf weiteres von der Parkraumbewachung ausgenommen, heißt es aus dem Büro von Schüchner.

Die Befürchtungen der Anwohner hält die Bezirksvorstehung aber für unbegründet. Zwar sei ein gewisser „Verdrängungseffekt“ zu erwarten, dieser werde sich aber in Grenzen halten. Stattdessen würden die meisten Pendler angesichts der nahezu flächendeckenden Gebührenpflicht auf das Auto verzichten oder schlicht andere Parkplätze anfahren.

Es scheint also fast, als würden sich Stadt und Bezirk mit ihren Projekten gegenseitig auf die Füße treten. Ob die sehr optimistische Einschätzung der Bezirksvorstehung standhält, wird sich ab 1. März zeigen. Einige Nachbarn, die vorab nicht von der Änderung informiert worden waren, planen indes eine Unterschriften-Liste, um dagegen zu protestieren, dass in ihrem Grätzel kein Parkpickerl kommt.

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