NACHSPIEL

Die Kulturkritik der Woche

Leonardo da Vinci und die NFTS: die digitale Zukunft des globalen Kunstmarktes

Matthias Dusini
Feuilleton, FALTER 03/22 vom 19.01.2022

Wer gibt 450 Millionen Euro für ein Bild aus, dessen Echtheit umstritten ist? Die Doku "Der letzte Leonardo", die unlängst auch im ORF zu sehen war, erzählt die Geschichte des Gemäldes "Salvator Mundi" von Leonardo da Vinci, das 2017 als teuerstes Gemälde überhaupt verkauft wurde. Darin geht es um die Strategie von Händlern, Auktionen zu Medienereignissen hochzustilisieren. Der Film gibt Einblick in die nicht immer seriösen Praktiken großer Museen, die mit dem Namen Leonardo Besuchermassen anziehen.

Es ist kein Zufall, dass der Rekordpreis mit einem weiteren Hype des Kunstmarktes zusammenfällt. Sogenannte Non-Fungible Tokens (NFTs) kosten Millionen. Dabei handelt es sich um unansehnliche Bilddateien, denen ein digitaler Stempel Fälschungssicherheit garantiert. Vor einem Jahr versteigerte das Auktionshaus Christie's ein Werk des Künstlers Beeple um 70 Millionen Dollar. Ähnlich wie der "Salvator Mundi" durchlief Beeples "Everydays: The first 5000 Days" nicht die üblichen Instanzen von Kunstkritik und wissenschaftlicher Prüfung. Nicht mehr Galerien entscheiden über den Preis eines Werks, sondern das Online-Gebot zahlungskräftiger Kunstliebhaber. Sie schalten die Gatekeeper aus.

Die direkte Begegnung mit einem Gemälde oder einer Skulptur war bisher die Voraussetzung für ein Urteil. Der Sammler Dmitri Rybolowlew, Vorbesitzer des "Salvator", zahlte 127 Millionen Dollar für das Bild, nachdem er es einmal gesehen hatte.. Rybolowlew ließ die Ikone in einem Depot verschwinden. Er hätte genauso gut eine Bilddatei kaufen können - und hätte sich so Transport- und Lagerkosten erspart. Im Gegensatz zu Leonardos gelten NFTs allerdings als authentisch.

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