Mit Putin zurück im (k)alten Krieg

Putins Aufmarsch an der Grenze zur Ukraine kann zumindest eines sicherstellen: Nord Stream 2 geht zu Lasten Polens und der Ukraine und zum Vorteil der OMV in Betrieb

Peter Michael Lingens
21.01.2022

Will man Wladimir Putin sehr wohl, so anerkennt man, dass seine Präsidentschaft das Chaos der Ära Boris Jelzins in Russland beendet hat: Flugzeuge hielten wieder Flugpläne ein, Auslagenscheiben wurden nicht mehr täglich eingeschlagen, in Restaurants wurde man nicht mehr überfallen. Putin vermochte wieder Ordnung herzustellen, weil er im KGB gelernt hat, wie man Menschen unter Kontrolle bringt. Schließlich hatte er sich diesem brutalsten aller Geheimdienste 1975 in der Ära Leonid Breschnews angeschlossen, der Russland nur quantitativ weniger hart als Josef Stalin regierte und war in der Ära Juri Andropows, zuvor KGB-Chef, zum Major aufgestiegen.

Der KGB hat Putin geprägt. Dass die „Wende“ der Demokratie eine Chance bot, war ein historischer Zufall, dem Putin seine Methoden anpasste: Er lässt nur „seine“ Kandidaten zu Wahlen zu – Gegner wie Alexej Nawalny erleiden Giftanschläge und enden im Kerker. Er kontrolliert die Justiz – potente Gegenspieler wie der Oligarch Michail Chodorkowski sitzen dort schon lange. Er kontrolliert die Medien – kritische Journalisten wie Anna Politkowskaja werden ermordet. Und natürlich werden mittlerweile auch die Wahlen gefälscht. Putin ist es gelungen, die totale Demokratur zu etablieren.

Dass er sich nicht mit der Allmacht in Russland begnügt, sondern auch Vorstöße ins Ausland unternimmt, liegt daran, dass Diktatoren meist auch eitel sind und dass sie ihre Bevölkerung so am ehesten vom eigenen (wirtschaftlichen) Versagen ablenken können. Putins Militärhilfe für Syriens Diktator Bashar al-Assad entspricht zwar auch der Hoffnung auf Öl, vor allem aber seiner Eitelkeit, denn sie kostet Russland Geld. Der Einsatz von „Bots“, um den „Brexit“ und die Wahl Donald Trumps zu befördern, war rationaler: Ohne Großbritannien ist die EU geschwächt und mit Trump war die NATO nicht mehr das Bündnis, das Putins Vorstößen geschlossen entgegentritt.

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