Omikron: Hält die kritische Infrastruktur?

Immer mehr Menschen müssen angesichts der rasant steigenden Infektionszahlen in Quarantäne. Wie angespannt ist die Situation in Wien? Und wie bereitet sich die kritische Infrastruktur auf die Omikron-Wand vor?

Soraya Pechtl
FALTER.MORGEN, 25.01.2022

Diese Woche könnte mit 40.000 Neuinfektionen pro Tag ein neuer Höchstwert in Österreich erreicht werden: Damit würden auf einen Schlag so viele Menschen in Quarantäne geschickt, wie der 9. Wiener Gemeindebezirk Einwohner hat – Kontaktpersonen, die sich ebenfalls „absondern“ müssen, noch gar nicht mit eingerechnet. Und am nächsten Tag nochmal so viel (oder gar mehr). Und dann wieder. Was passiert dann?

Die gute Nachricht zuerst: Es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass die kritische Infrastruktur zusammenbricht. Viele Unternehmen haben bereits zu Pandemiebeginn umfassende Präventionskonzepte ausgearbeitet, weshalb es auch kaum Personalausfälle gibt. Angespannt ist die Situation aber an den Schulen und Kindergärten. Ein Überblick.

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Schulen & Kindergärten

Wie viele Klassen sind im Distance Learning? Die 5- bis 14-Jährigen haben mit 3.450 die mit Abstand höchste 7-Tages-Inzidenz aller Altersgruppen. Werden innerhalb von drei Tagen zwei Schüler positiv getestet, muss die ganze Klasse ins Distance Learning. Österreichweit betrifft derzeit das 1.800 von 58.000 Klassen. „Lehrpersonen sind hingegen selten in Quarantäne, weil sie während des Unterrichts die FFP2-Maske tragen und großteils dreifach geimpft sind”, sagt Gewerkschafter Thomas Bulant.

Auch in den Kindergärten gibt es aktuell viele Infektionen, heißt es von der zuständigen MA 10. Konkrete Zahlen für Wien sind es allerdings noch nicht vorhanden. Das liegt einerseits an Problemen bei der Datenübermittelung vom Bund an die Stadt Wien, aber auch daran, dass die zuständige MA 15 keine validen Zahlen ausgeben kann, weil sich die Infektionslage derzeit so schnell verändere.

Und wie bereitet man sich auf Personalengpässe vor? Die Bildungsdirektion ist gerade dabei, einen Reserve-Pool von Studierenden und pensionierten Lehrern aufzubauen, die bei Engpässen unterrichten können. Bei Kindergärten könnten Assistentinnen und Reinigungskräfte einspringen.

Spitäler und niedergelassene Ärzte

Wie viele Ärzte sind in Quarantäne? In Wien sind aktuell fünf von 1.592 Ordinationen wegen Quarantänebestimmungen geschlossen. An den Uni-Kliniken gibt es „eine überschaubare Zahl von positiven Fällen”, aber keine Cluster unter den Mitarbeitern.

Und wie bereitet man sich auf Personalengpässe vor? Ärzte können auch mit positivem PCR-Test arbeiten, wenn die Infektion mindestens fünf Tage her ist und der CT-Wert über 30 liegt. Die Ärztekammer und die Stadt Wien haben außerdem das Personal im Ärztefunkdienst aufgestockt, dort werden Corona-Patienten betreut oder an Notärzte vermittelt.

Polizei, Rettung & Berufsfeuerwehr

Wie viele Mitarbeiter sind in Quarantäne? Bei der Rettung gibt es bei knapp 1.000 Mitarbeitern Ausfälle im niedrigen zweistelligen Bereich. Bei der Feuerwehr sind derzeit zwei von 2.000 Mitarbeitern an Corona erkrankt. Die Polizei will keine Zahlen bekannt geben, es gebe keine Engpässe. Übrigens: Knapp 94 Prozent der Rettungsleute sind geimpft, bei der Feuerwehr und Polizei rund 85 Prozent. Das erklärt auch die niedrige Infektionsrate.

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Und wie bereitet man sich auf Personalengpässe vor? Bei der Polizei werden die Mitarbeiter, ähnlich wie bei Berufsrettung und Feuerwehr, in unterschiedliche Teams eingeteilt. Falls ein Team ausfällt, kann man auf das andere zurückgreifen. Bei der Feuerwehr verzichtet man außerdem auf Übungen, an denen mehrere Wachen gleichzeitig teilnehmen.

Wiener Linien

Wie viele Mitarbeiter sind in Quarantäne? Das Unternehmen will diese Zahl nicht bekanntgeben. Nur so viel: Man habe nicht mehr Personalausfälle als sonst auch. „Wir haben früh strenge, interne Schutzmaßnahmen gesetzt”, sagt Pressesprecher Daniel Amann.

Und wie bereitet man sich auf Personalengpässe vor? Die Wiener Linien haben einen Reserve-Pool. Sollten etwa Fahrer ausfallen, können Mitarbeiter aus den Werkstätten einspringen. Kann der Personalmangel dadurch nicht mehr ausgeglichen werden, wird der Fahrplan reduziert. „Wir wissen, welche Verbindungen in der Stadt unabdingbar sind, und diese werden auch vorrangig befahren”, so Amann.

Übrigens geht mit dem Anstieg der Infektionszahlen auch die Mobilität der Wiener zurück. Vorige Woche waren sechs Prozent weniger Fahrgäste unterwegs als in der Vorwoche und um 30 Prozent weniger als vor der Pandemie.

Supermärkte

Wie viele Mitarbeiter sind in Quarantäne? Die drei größten Supermarktketten Spar, Rewe (Billa, Penny) und Hofer registrieren derzeit keine erhöhten Personalausfälle. Bei Billa sind gerade mal zwei Prozent der Mitarbeiter nicht im Dienst – während der Urlaubssaison fehlen zeitweise mehr.

Und wie bereitet man sich auf Personalengpässe vor? Bei Billa und Hofer arbeiten Logistik-Mitarbeiter in verschiedenen Gruppen. Die Teams dürfen sich in der Freizeit nicht treffen, damit sie nicht zeitgleich ausfallen. Spar hat eine Personalreserve von 140 Personen, die im Notfall freiwillig einspringen würden. Sollte das nicht ausreichen, würden andere Arbeiten gestoppt, die Bedienung bei Fleisch- und Backwaren eingestellt oder die Mitarbeiter an die Kassen abgezogen. In allerletzter Konsequenz könnten Supermärkte auch Hilfe vom Bundesheer anfordern. Das hat Billa etwa im ersten Lockdown gemacht, als es zu sehr vielen Hamsterkäufen kam.

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