Am Beispiel der Butter

Die Hausfrau gilt als Inbegriff des konservativen Familienmodells. Die deutsche Autorin Evke Rulffes erklärt, wie es dazu kam, und erzählt von Still-Nazis und dem Imperativ des selbstgebackenen Kuchens

Klaus Nüchtern
FEUILLETON, FALTER 06/22 vom 08.02.2022

Mit der entsprechenden Technologie macht sich alles fast von selber. Hausfrauenglück, wie es in den 1950er-Jahren gesehen wurde. Illustration von Margit S. Doppler aus der Broschüre „Wer Gas verwendet, hat mehr Zeit für Gäste“ (Illustration von Margit S.Doppler aus „Wer Gas verwendet, hat mehr Zeit für Gäste“ (Forum Verlag, 1958), Privatbesitz Susanne Breus)

Die Geschichte der Hausfrau ist eine Geschichte voller Missverständnisse. „Es ist schon immer so gewesen“, lautet das grundlegendste. Bereits im Paläolithikum wären die Männer auf die Jagd gegangen, wohingegen die Frauen ein bisschen gesammelt und sich ansonsten um den Nachwuchs, die Zubereitung des Mammut-Steaks sowie darum gekümmert hätten, dass die Höhle sauber gekehrt und gut geheizt ist. Tatsächlich waren Frauen sehr wohl an der Jagd beteiligt. Die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, wie wir sie mit der heutigen Form der Kleinfamilie verbinden, wurde milieubedingt und erst im Laufe der Industrialisierung etabliert.

In ihrem klugen Sachbuch „Die Erfindung der Hausfrau – Geschichte einer Entwertung“ zeichnet die Berliner Kulturwissenschaftlerin Evke Rulffes nach, wann und wie unser Bild der „Hausfrau“ geprägt wurde. Die 47-jährige Autorin und Kuratorin hat dabei vor allem die Umbruchszeit des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts im Blick, ihre Analyse führt aber bis zu Paaren von heute, deren theoretischer Anspruch einer gleichberechtigten und arbeitsteiligen Beziehung oft an seine praktischen Grenzen stößt, sobald Kinder ins Spiel kommen.

Noch Anfang der 1980er-Jahre war von Gleichberechtigung nicht einmal theoretisch die Rede. Was halten Sie vom Karenzurlaub für Männer?“, wollte die Reporterin des ORF-Magazins „Prisma“ 1982 wissen. Befragt wurden Passantinnen und Passanten auf dem Stephansplatz. Ein schnauzbärtiger Mann in seinen Vierzigern findet schon die Frage absurd: „Für Männer? Des is a Bledsinn!“ „Warum?“, will die Reporterin wissen. „Najo, waaß i ned. Weil des eben so is. A Frau ghead in Karenzurlaub, die muass beim Kind sei, oba a Mann, der soi in d’ Arbeit geh’n und aus.“

ANZEIGE
  3686 Wörter       18 Minuten

Sie haben bereits ein FALTER-Abo?


Sie nutzen bereits unsere FALTER-App?
Klicken Sie hier, um diesen Artikel in der App zu öffnen.

Jetzt abonnieren und sofort weiterlesen!

Jetzt abonnieren und sofort weiterlesen!

Print + Digital

  • FALTER sofort online lesen
  • Wöchentliche Print-Ausgabe im Postfach
  • FALTER als E-Paper
  • FALTER-App für iOS/Android
  • Rabatt für Studierende
Jetzt abonnieren

1 Monat Digital

  • FALTER sofort online lesen
  • FALTER als E-Paper
  • FALTER-App für iOS/Android
Jetzt abonnieren

Digital

  • FALTER sofort online lesen
  • FALTER als E-Paper
  • FALTER-App für iOS/Android
  • Rabatt für Studierende
Jetzt abonnieren
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Alle Feuilleton-Artikel finden Sie in unserem Archiv.

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!