Was sie trennt, ist die gemeinsame Sprache

Die Kunstsprache Esperanto sollte die Welt im Reden vereinen. 140 Jahre später ist die Wiener Szene klein, aber gespalten

FLORIAN KAPPELSBERGER
Stadtleben, FALTER 08/22 vom 23.02.2022

Langjährige Esperanto-Kundige vor dem Denkmal am Karlsplatz: in Schwarz der Verbandsobmann Alfred Heiligenbrunner (Foto: Heribert Corn)

Brauchen wir das "ri"? Seit fast 140 Jahren kommt Esperanto mit dem männlichen Pronomen "li" und dem weiblichen "ŝi" aus. Doch selbst an der friedfertigsten Kunstsprache geht die Zeit nicht spurlos vorüber.

Im Wiener Metalab, eigentlich ein Treffpunkt für Hacker beim Rathaus, denkt eine kleine Gruppe von Esperantisten über die Zukunft ihrer Sprache nach. In monatlichen Abendrunden debattieren sie über Themen wie ein neues, geschlechtsneutrales Pronomen.

Doch nicht alle gehen mit. Der Programmierer Philip Bernhart von der Metalab-Gruppe spricht bissig von einem "Verein für Pensionisten" und meint eingesessene Mitglieder der Szene. Weil die solche Eingriffe in ihre Sprache ablehnen, gründete Bernhart vor zwei Jahren seine eigene progressive Esperanto-Runde, Zielgruppe "links und alternativ". Die Wiener Esperanto-Gemeinschaft ist zwiegespalten.

Dabei versprach Esperanto vor langer Zeit eine in der Sprache vereinte Welt. In seinem Manifest von 1887 träumte der jüdische Augenarzt Ludwik

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