Die Macht der Freiheit

Möglich wurde der Krieg auch, weil die westlichen Gesellschaften verlernt haben, Verteidigung ernst zu nehmen. Wladimir Putin führt uns die Folgen dieses bequemen und naiven Denkens vor Augen

Oliver Jens Schmitt
FEUILLETON, FALTER 09/22 vom 01.03.2022

Demonstrationen für einen EU-Beitritt, 2013 im Zentrum von Kiew: Nichts fürchtet Putin mehr als eine demokratische Ukraine (Foto: Imago Images/EST&OST)

Das autoritäre Russland hat die junge ukrainische Demokratie mit brutaler militärischer Gewalt angegriffen. Wer den Überfall Russlands auf die Ukraine, den flächenmäßig zweitgrößten Staat Europas, verstehen will, muss zweierlei beachten: die Macht der Geschichte und vor allem deren bewusste Verdrehung; und die Mühe demokratischer Gesellschaften, ernsthaft über ihre Verteidigung nachzudenken und auch entsprechend zu handeln.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat den Überfall auf die Ukraine jahrelang systematisch vorbereitet. Er streitet ihr das Recht auf Eigenstaatlichkeit mit historischen Argumenten ab, die im Westen nur Spezialisten einordnen können, die aber dennoch von westlichen Meinungsmachern unbedacht übernommen werden.

Kiew sei das Herz der russischen Kultur, die Ukraine uraltes russisches Land; eigentlich gebe es gar keine kulturell eigenständige ukrainische Nation. Diese sei vielmehr das Ergebnis historischer Manipulationen einst durch Lenin und neuerdings durch den Westen. Die Ukrainer seien überdies allesamt Nazis gewesen und bereiteten in der Gegenwart einen „Genozid“ an den russischsprachigen Bürgern des Landes vor. Kurz: eine künstliche und überdies kriminelle Nation.

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