Wissenschaftlerin der Woche: Sabine Seidler

Wird für die Universitäten der Strom zu teuer, Frau Seidler?

ANNA GOLDENBERG
Politik, FALTER 09/22 vom 02.03.2022

Die steigenden Energiepreise haben einen indirekten Einfluss - und zwar auf das, was in der Forschung möglich ist. In den Leistungsvereinbarungen, in denen sich die Universitäten mit dem Ministerium alle drei Jahre Ziele ausmachen, für die sie ein Budget bekommen, haben wir uns verpflichtet, den wissenschaftlichen Personalstand konstant zu halten und die Zahl der Professuren um einen kleinen Anteil zu erhöhen. Wir haben also kaum Spielraum, um die steigenden Kosten auszugleichen.

Sämtliche Labors sind energieintensiv. Über jedem Arbeitsplatz gibt es einen Abzug, der Strom benötigt und den ganzen Tag laufen muss, um Arbeitssicherheit im Umgang mit vielen chemischen Substanzen zu garantieren. Zudem brauchen Labors eine starke Raumlüftung, Mikroskope benötigen Licht, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Mit dem Sommersemester wird der Strombedarf steigen, da die Universitäten in den Präsenzbetrieb starten. An der TU gilt die 2,5-G-Regel, andere Universitäten halten es anders. Bei uns werden die Hörsäle wieder zu 100 Prozent belegt sein. Eine Überlastung der Lehrräume hatten wir auch schon vor der Pandemie. Wir überdenken gerade, wie wir große Vorlesungen künftig gestalten. Bestimmte Lehreinheiten, die sich inhaltlich nicht ändern, wollen wir weiterhin online zur Verfügung stellen. Die Studierenden schätzen das, schon allein zum Nachschauen. Es darf aber nicht passieren, dass die Studierenden alles nur online machen. Das Studium dient ja auch der Sozialisierung. Wir stellen es uns langfristig eher so vor: Studierende erarbeiten sich die Grundlagen im Selbststudium. Im Anschluss wird in seminarähnlichen Formaten diskutiert. Vor allem für Universitäten mit Massenbetrieb ist das eine Herausforderung, denn für solche "Flipped Classroom"-Modelle braucht man wahrscheinlich mehr Ressourcen als bisher. Hybrides Lernen ist eben kein Sparmodell.

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