KUNST Kritik

Von den Körpern in die Sterne

NICOLE SCHEYERER
Lexikon, FALTER 10/22 vom 09.03.2022

Oft werden meine Gemälde für Vulvabilder gehalten, obwohl das gar nicht meine Intention war", erzählte Marianne Vlaschits beim Künstlergespräch im Bildraum Studio der Brotfabrik. Am Beginn ihrer dortigen Ausstellung "Phase Transitions" hängt so eine Komposition auf ovaler Leinwand, deren rote Formen und Tiefgang unweigerlich an geschlechtliche Weichteile denken lassen.

Der Werktitel "Algieba" führt jedoch auf eine andere Fährte, stammt er doch von einem Stern. Die kosmologische Dimension unterstreichen die flankierenden kleineren Gemälde. So erinnern die ineinanderdrehenden Formen von "The Appetite" an Bewegungsmodelle von Himmelskörpern. Alles kein Zufall, interessiert sich die 1983 geborene Wienerin doch seit jeher für Astronomie und hat jüngst für das Studienfach inskribiert.

Durch ältere Arbeiten von 2018 macht Vlaschits' aktuelle Schau ihren Übergang von comichafter Acryl-zu sphärischer Ölmalerei deutlich. Wenngleich sie jetzt weniger poppig auftritt, hat die Vertreterin der Burschenschaft Hysteria ihren Witz doch nicht verloren. Geradezu barock lässt sie fantastische Figuren in Tropfenform schweben. Bei einzelnen Bildern könnte zwar Esoterikverdacht aufkommen, doch die Details laufen etwaigem spirituellem Pathos zuwider.

Marianne Vlaschits: "Algieba"(Mitte),"The Rim"(r.),"The Appetite"(l.) Bildraum Studio (Brotfabrik), bis 7.4.

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