Weg von der Gasheizung?

Wir haben Tipps, wie Sie Ihren Energieverbrauch reduzieren und auf welche Heizformen Sie umsteigen können.

Soraya Pechtl
FALTER.MORGEN, 16.03.2022

Knapp die Hälfte der Wiener Haushalte haben eine Gastherme © FALTER/ Christopher Mavrič

Leicht wird das nicht: Die Stadtregierung will bis 2040 aus fossilen Energieträgern wie Öl und Gas aussteigen. Spätestens seit dem Einmarsch Wladimir Putins in die Ukraine wurde auch dem letzten Zweifler klar, dass wir uns um alternative Energiequellen umsehen müssen. Aber wie? In Wien heizen noch immer rund 442.000 von insgesamt 911.000 Haushalten mit Gas. Und der Preis pro Kilowattstunde (kwH) steigt.

Bei der Wiener Beratungsstelle Hauskunft laufen seit Kriegsbeginn die Telefone heiß. Viele haben Angst, sich das Heizen nicht mehr leisten zu können – oder dass im nächsten Winter überhaupt kein Gas mehr durch die Leitungen fließt. Was die Politik dagegen tun will, lesen Sie diese Woche im FALTER. Was Sie als Einzelperson tun können, verraten wir Ihnen hier.

Dieser Text ist ein Teil des FALTER.morgen (Ausgabe vom 16.03.2022), dem neuen Früh-Newsletter aus der FALTER-Redaktion. Melden Sie sich hier an:

Für Mieter

Wer in einer Stadt wie Wien in einer Mietwohnung mit Gastherme lebte, steht vor einem fast unlösbaren Problem: Darüber, ob das Gerät entfernt oder ersetzt wird, entscheidet der Vermieter bzw. Eigentümer.

Am nachhaltigsten und vernünftigsten wäre der Umstieg auf …

  • Fernwärme & Erdwärme: „Lösungen für einzelne Wohnungen können nie so gut sein wie für ein ganzes Haus”, sagt eine Sprecherin vom Wohnfonds Wien – auch weil individuelle Maßnahmen (siehe unten) das Stromnetz belasten können. In Wien ist das Fernwärmenetz gut erschlossen. Wenn Gebäude in der Nachbarschaft bereits an die Fernwärme angeschlossen sind – erfragen lässt sich das bei Wien Energie – stehen die Chancen gut, dass ein schneller Umstieg möglich ist. Ansonsten sind auch Wärmepumpen für das ganze Haus eine Möglichkeit. Verbünden Sie sich mit ihren Nachbarn und reden Sie mit der Hausverwaltung oder den Eigentümern. Nehmen Sie Unterlagen für Förderungen mit: Finanzielle Anreize helfen vielleicht dabei, die Vermieter zu überzeugen.

Wenn das nicht möglich ist, können Sie zumindest mit individuellen Maßnahmen dafür sorgen, dass ihr Gasverbrauch sinkt.

  • Solar- und Photovoltaik-Paneele: Sie brauchen nicht unbedingt ein Flachdach und eine teure, großflächige Solaranlage. Schon ein Quadratmeter kann die Energieerzeugung ergänzen. Photovoltaik-Paneele können Sie auch beim Verbund mieten – dann sparen Sie sich die hohen Anschaffungskosten. Dazu ist übrigens keine Zustimmung des Vermieters notwendig (wenn Sie eine großflächige Solaranlage am Dach wollen, allerdings schon).
  • Infrarot-Paneele: „Infrarotpanele laufen mit Strom und werden immer effizienter“, erklärt eine Sprecherin vom Verbund. Das Beheizen ganzer Wohnungen ist aber nach wie vor schwierig – sie sind eher als Ergänzung für gut gedämmte Räume oder für Wochenendhäuser geeignet. Eine Zustimmung des Vermieter ist ebenfalls nicht notwendig. Verschiedene Anbieter haben auf ihren Websites Rechner installiert, mit denen sich der Verbrauch und die Heizleistung abschätzen lässt (einfach nach infrarot paneele heizung berechnen googeln).
  • Fassaden- und Fenster-Dämmungen können den Energiebedarf enorm reduzieren. Derartige Sanierungsmaßnahmen müssen Sie mit den Vermietern abklären – die Mietervereinigung hilft Ihnen gegebenenfalls dabei, dichtere Fenster zu bekommen. Zur Not gibt es auch Abdichtband im Baumarkt.
  • Pelletöfen: Wenn Sie einen funktionierenden Kaminanschluss haben, können Sie einen Holz- oder Pelletofen in die Wohnung stellen. Wenn nicht, sollten Sie mit ihrem Vermieter klären, ob Sie einen legen dürfen. Wenn Sie derartige Wohnungs-Verbesserungsmaßnahmen selbst vornehmen, können Sie im Gegenzug eine Mietreduktion aushandeln.

Spar-Tipps

Nicht nur der Gaspreis steigt, auch der Strom wird teurer. So können Sie den Verbrauch und damit die Kosten senken:

  • Die simpelste Lösung ist, den Thermostat um ein paar Grad runter zu drehen. Wenn Sie die Heizung um einen Grad drosseln, sinkt der Verbrauch bereits um sechs Prozent, bei einer Reduktion von 22 auf 19 Grad um zwölf Prozent. Kommt Ihnen dazu zu kühl vor? Diese Raumtemperatur war früher nicht ungewöhnlich: „In der Schule habe ich gelernt, dass 18 Grad die anzustrebende Temperatur sind. Heute sind es 23 Grad. Vielleicht kommt jetzt wieder eine Phase, wo man einen Pullover anzieht”, sagt Sigrid Stagl, Professorin am Institut für Ecological Economics an der WU Wien.
  • Kühlschrank: Beim Kühlschrank gilt das umgekehrte wie bei der Raumtemperatur: Ein Grad wärmer spart bis zu sechs Prozent Energie (auch bei sieben Grad sind Lebensmittel ausreichend gekühlt.) Außerdem ist es effizienter, den Kühlschrank nur zu zwei Dritteln zu befüllen. Geben Sie auch keine warmen Speisen hinein.
  • Kochen: Mit Deckel werden 1,5 Liter Wasser dreimal so schnell erhitzt als ohne. Wasserkocher sind noch effizienter. Beim Backofen gilt: Die Umluft-Funktion spart rund ein Drittel des Stroms. Sie können, wie auch beim Herd, Restwärme verwenden – das heißt, zehn Minuten vorher ausschalten und die Speisen nachgaren lassen.

Die richtige Alternative ist eine individuelle Entscheidung, die unter anderem von der Gebäudeklasse und der Wohnform abhängt. Sie sollten sich also vorab beraten lassen (zum Beispiel bei der Energie– oder Wohnberatung).

Mitarbeit: Katharina Kropshofer 

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