Wer kommt nach Heinz?

Das Rektorat der Universität Wien wird neu besetzt. Nun hat sich der Gleichbehandlungsausschuss eingeschaltet

Anna Goldenberg
FALTER.MORGEN, 12.04.2022

Heinz W. Engl ist seit 2011 Rektor der Universität Wien. Im September legt er sein Amt zurück © APA/HANS PUNZ

Zweiunddreißig hießen Franz, vierzehn Joseph, fünf Ludwig und drei Hieronymus. In ihren 657 Jahren hatte Österreichs größte Universität viele Rektoren. Eine Frau war bislang nicht dabei. Das könnte sich bald ändern, läuft doch aktuell der Bestellprozess für die Nachfolge von Rektor Heinz Engl. Wer wird ab 1. Oktober vier Jahre lang die Universität Wien leiten?

Das Verfahren holpert dahin. Es begann damit, dass Engl vergangenen Oktober bekannt gab, sein Amt ein Jahr früher als geplant zurückzulegen. Im November wurde die Stelle offiziell ausgeschrieben, 17 Menschen bewarben sich, darunter gerade einmal zwei Frauen. Eine Findungskommission, die aus Universitätsrat und Senat besetzt wird, sah sich die Kandidatinnen und Kandidaten an und machte einen Dreiervorschlag. (Der neunköpfige Universitätsrat wird zu gleichen Teilen von Bundesregierung und Senat bestimmt; den Senat mit seinen 18 Mitgliedern wählen die Universitätsangehörigen selbst.)

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Wen sah die Findungskommission als geeignet? Barbara Schober, Dekanin an der Fakultät für Psychologie der Universität Wien; Oliver Vitouch, Rektor der Universität Klagenfurt; und Matthias Tschöp, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Helmholtz-Zentrum München. Der Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen prüfte vorschriftsgemäß den Vorschlag und erhob keine Beschwerde. Also ging dieser Dreiervorschlag am 17. Februar an den Senat, der als nächsten Schritt Hearings organisierte.

Drei weitere Kandidatinnen und Kandidaten wurden dazu eingeladen, allesamt aktuell an der Universität Wien tätig: Gerhard Ecker ist Dekan der Fakultät für Lebenswissenschaften, Sebastian Schütze Dekan der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät, und sowie Veronika Somoza die stellvertretende Vorständin des Instituts für Physiologische Chemie.

Dann geschah das erste Rumpeln: Matthias Tschöp, der einzige internationale Kandidat, zog Mitte März überraschend seine Bewerbung zurück, möglicherweise, so heißt es, weil er sich doch eher als Wissenschaftler denn als Manager sah. Mit ihren rund 90.000 Studierenden, 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und einem Globalbudget von 634 Millionen Euro ist die Universität Wien schließlich einer der größten Arbeitgeber der Stadt.

Der Senat einigte sich in einer geheimen Wahl am 24. März auf seinen eigenen Dreiervorschlag; der Dreiervorschlag der Findungskommission ist nicht verbindlich. Aus diesem wählt der Unversitätsrat den Rektor oder die Rektorin – plangemäß bis Anfang Mai. Vorher kommt wieder der Arbeitskreis für Gleichbehandlungsfragen zum Zug. Dieser muss den Vorschlag begutachten. Und da passierte die nächste Überraschung: Der Arbeitskreis erhob vergangene Woche, am 6. April, Einspruch. Das veröffentlichte die Universität Wien gestern Abend auf ihrer Homepage.

Wie der FALTER.morgen aus gut informierten Kreisen erfuhr, dürfte der Arbeitskreis kritisiert haben, dass der Dreiervorschlag des Senats nur eine Frau enthielt, und zwar Psychologie-Dekanin Barbara Schober, die auch im Dreiervorschlag des Unirats stand. Bei den anderen beiden soll es sich um den ebenfalls vom Unirat vorgeschlagene Oliver Vitouch sowie Sebastian Schütze von der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät handeln.

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Eine Schiedskommission soll nun vermitteln, und hat bis 20. April Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Sind Senat oder Arbeitskreis damit nicht einverstanden, können sie vor dem Bundesverwaltungsgericht Einspruch erheben. Welcher Name sich in die 657-jährige Liste reihen wird, ist also noch offen. Und auch, ob dieser einem Mann oder einer Frau gehören wird.

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