Du bist Familie

Katharina Nehammer berät ihren Mann Karl auch politisch. Warum das ein demokratie- und medienpolitisches Problem ist

Barbara Tóth
MEDIEN, FALTER 17/22 vom 26.04.2022

Das Ehepaar Nehammer auf dem traditionell in Tracht gefeierten Jägerball in der Wiener Hofburg am 27. Jänner 2020 (Foto: Karl Schöndorfer/picturedesk.com)

Wir schreiben den Tag 20 des Angriffskriegs des Kremls gegen die Ukraine. Der Kalender zeigt den 16. März 2022. Für Katharina Nehammer ist es ein Tag wie jeder andere. Seit ihr Mann Karl unverhofft Kanzler geworden ist, sieht sie ihn kaum noch, außer sie besucht ihn spontan im Kanzleramt. Das macht sie gerne, schließlich kann sie sich ihren Tag einteilen. Die Kinder, 11 und 13 Jahre alt, sind bis zum frühen Nachmittag in der Schule, ihren Job als PR-Beraterin bei einer ÖVP-nahen Agentur hat sie vergangenen August aufgegeben. Der Familie wegen. Pubertät und so, alles nicht ganz einfach.

An diesem Tag poppt eine News-Meldung auf Katharina Nehammers Handy auf. Der Kreml könne sich eine neutrale, bündnisfreie Ukraine mit eigenem Militär vorstellen wie Österreich oder Schweden, steht da. Katharina ist elektrisiert. Wäre das nicht der Ausweg aus dem Krieg? Könnte ihr Mann Karl da nicht mithelfen, das auf den Weg zu bringen? Etwa indem er auf Moskau einwirkt und auf Kiew?

Es ist nicht exakt überliefert, wann Katharina Nehammer ihre Idee in Nervenkanäle des Kanzleramtes einspeiste. Aber die ganze Welt weiß, wie die Geschichte ausging. Am 9. April reiste Karl Nehammer, begleitet von einem staatstragenden Medientross, zu Präsident Wolodymyr Selenskyj nach Kiew. Nur 72 Stunden später flog er als erster EU-Regierungschef seit Kriegsausbruch via Istanbul nach Moskau zu einem Vier-Augen-Gespräch mit Wladimir Putin. Mit an Bord waren diesmal nur sein Fotograf, seine außenpolitische Referentin im Kanzleramt, Barbara Kaudel-Jensen, und die anderen beiden wichtigsten Berater abseits seiner Gattin: Pressesprecher Daniel Kosak und Ex-Bild-Chefredakteur Kai Diekmann, dessen Firma Story­machine die ÖVP seit heuer betreut.

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