Mir geht’s schlecht, ich kann nicht klagen

Eine Firma kann auf ihre Rechte pochen, aber die Natur nicht. Ist das noch zeitgemäß? Über eine gesellschaftliche Frage in Zeiten des Artensterbens

Benedikt Narodoslawsky
NATUR, FALTER 17/22 vom 26.04.2022

Das Erbgut von Schimpansen gleicht dem des Menschen zu 99 Prozent. Sollen unsere haarigen Cousins und Cousinen Grundrechte bekommen? (Foto: TRAX/Action Press/picturedesk.com)

Im Dschungel von Gombe, Tansania, entdeckt eine junge Forscherin eine Sensation: Ein Schimpanse reißt Blätter von einem Zweig, um damit in einem Termitenhügel zu stochern, und angelt mit einem Grashalm nach den Insekten. Der Schimpanse wird unter dem Namen David Greybeard bekannt, die Forscherin Jane Goodall mit ihrer Entdeckung weltberühmt. Goodall widerlegte mit ihrer 1964 veröffentlichten Entdeckung nichts anderes als die vorherrschende Lehrmeinung, nur der Mensch sei fähig, Werkzeuge zu verwenden. Die Zertrümmerung des damals gängigen Begriffs „Werkzeugmacher Mensch“ stellte die Abgrenzung des Menschen zur Tierwelt auf den Kopf. Goodalls Mentor – der Anthropologe Louis Leakey – kommentierte: „Jetzt müssen wir entweder das Werkzeug neu definieren oder den Menschen – oder wir müssen die Schimpansen zu den Menschen zählen!“

Biologisch gehören wir als Homo sapiens zur Familie der Menschenaffen. Rund 99 Prozent unseres Erbgutes ist ident mit jenem der Schimpansen. Schon vor 20 Jahren schlugen Wissenschaftler aufgrund dieser genetischen Ähnlichkeit vor, die Menschengattung „Homo“ um zwei Primatenarten zu erweitern, nämlich den Gemeinen Schimpansen und den Zwergschimpansen (Bonobo).

Schimpansen verwenden nicht nur Werkzeuge. Sie sind empathisch, verarzten verletzte Angehörige, sie denken, planen und fühlen. „Schimpansen und andere Menschenaffen können über vierhundert Wörter der amerikanischen Gebärdensprache erlernen und am Computer komplexe Aufgaben lösen“, erzählt Jane Goodall im Buch „Das Buch der Hoffnung“ (Goldmann Verlag).

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  1522 Wörter       8 Minuten

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