Gelesen Bücher, kurz besprochen

Du willst gehen? Dann stirb!

Politik, FALTER 17/22 vom 27.04.2022

Im Frühjahr 2020 wird im Leipziger Auwald eine junge Frau, die mit ihrem Baby im Tragetuch spazieren geht, mit einem Hammer attackiert. Mehrmals schlägt ihr Exfreund ihr auf den Kopf. Sie stirbt.

Der "Fall Myriam" veranlasste die deutschen Journalistinnen Julia Cruschwitz und Carolin Haentjes, zu Femiziden zu recherchieren: wenn also Frauen ermordet werden, weil sie Frauen sind. 2020 starben in Deutschland 139 Frauen durch die Hand ihrer (Ex-)Partner, jeden dritten Tag eine. Besonders gefährdet sind Frauen, wenn sie sich getrennt haben oder das planen.

Die Autorinnen interviewten Überlebende und setzten sich in Gerichtssäle. Der Umgang der Behörden sei oft erschreckend: Vielfach werteten Gerichte Trennungstötungen nicht als Mord, die Täter kämen mit geringen Strafen davon. Auch im Vorfeld werde vieles versäumt: So hatte Myriams Ex zwar ein Näherungsverbot erhalten, bekam aber keine Auflage zu einer Beratung. Alles Probleme, die auch aus Österreich bekannt sind. Doch: "Konkrete Maßnahmen in Behörden sind möglich, Änderungen bei der Auslegung von Umgangs-, Straf- und Sozialrecht dringend nötig." Ein brennendes Thema sauber recherchiert. GP

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Julia Cruschwitz, Carolin Haentjes: Femizide. Frauenmorde in Deutschland. Hirzel, 216 S., € 18,50

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