FILM Neu im Kino

Ein Meisterinnenwerk: "Die Odyssee"

MICHAEL OMASTA
Lexikon, FALTER 17/22 vom 27.04.2022

Als erwachsene Frau blättert Kyone ihren Skizzenblock durch, Erinnerungen an ihre Kindheit kommen dabei wieder hoch: An die einjährige Odyssee, die sie und ihr Bruder Adriel nach der Trennung von ihren Eltern und dem Verlust ihrer Heimat durch mehrere Länder machten.

"Die Odyssee" (im Original: "La Traversée") heißt auch der abendfüllende Animationsfilm von Florence Miailhe, die das Werk ihrer Urgroßmutter gewidmet hat. Diese verließ in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts mit ihren zehn Kindern ihre Heimatstadt Odessa. Doch nicht allein die ukrainische Familiengeschichte ist es, die Miailhes mit Öl auf Glas gemaltem Film eine so unerhörte Aktualität verleiht; sondern die Künstlerin ließ sich bei ihrer Recherche sowohl von Aufnahmen ihres Mannes Patrick Zachmann inspirieren, der für Magnum auf Lampedusa fotografierte, als auch von Zeichnungen ihrer Mutter aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, die als Vorlage für einige Szenen und Charaktere direkt in den Film eingeflossen sind.

So spiegeln sich in dieser Coming-of-Age-Geschichte, die auf konkreten historischen Fluchterfahrungen gründet, subtil auch die Schicksale von Millionen anderen Vertriebenen rund um den Globus wider. Off-Erzählerin der deutschen Fassung ist Hanna Schygulla.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Filmhaus)

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