Blattkritik

Lachen mit Putin: Titanic persifliert den Krieg und den deutschen Neo-Heroismus

BARBARA TÓTH
Medien, FALTER 18/22 vom 04.05.2022

Für das Cover stand das 90er-Jahre-Männermagazin Mens Health unübersehbar Pate: Das deutsche Satireblatt Titanic widmet seine Mai-Ausgabe, wie kann es anders sein, dem Krieg in all seinen Facetten. Gleich im Editorial persifliert Titanic-Chefredakteur Moritz Hürtgen den ergriffenen Tonfall deutscher Meinungsjournalisten. "Für Meinungsjournalisten sind Zeiten wie diese eine Herausforderung: Schreibe ich über meine eigene komplexe Gefühlslage? Darüber, was der Krieg mit mir macht? Oder meditiere ich in meinen Texten lieber direkt über die Verantwortung des Journalismus an sich?" Titanic bleibt seiner Verantwortung als schonungsloses Satireblatt auch in Krisenzeiten treu. Etwa in Form eines Knigge für den Krieg. "Nuklearwaffen? Das erste Mal: verboten. Danach jedoch: erlaubt." Oder: "An den Haaren ziehen? Dank 5000 Helmen aus Deutschland kaum mehr möglich! Dennoch. Verboten (Ausnahme: erlaubt bei Weißen mit Dreadlocks)." Oder in Form einer Rohstoff-Weltkarte für den deutschen Umweltminister Robert Habeck. Wie wäre es mit Photovoltaik aus Libyen statt Gas aus Russland? Und natürlich kommt Schelte über Bobos, die keine Ahnung von Waffen haben, aber jetzt "erwachen", nicht zu kurz: "In jedem Weichei steckt eine blutrünstige Mordmaschine, die befreit werden will." Sehr böse, sehr spaßig.

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