Alice im Trümmerland

Ein Dokumentarfilm huldigt der Pionierin Alice Schwarzer. Derweil verirrt sie sich in der Ukraine-Debatte. Wieso stößt die Feministin auch jene vor den Kopf, die ihre Mitstreiter sein könnten?

Lina Paulitsch
FEUILLETON, FALTER 19/22 vom 10.05.2022

Alice Schwarzer wurde 1942 in Wuppertal geboren. Sie gilt als die bedeutendste deutsche Feministin (Foto: Derflinger-Film/Christine-A. Maier)

Die sonst so schlagfertige Diskutantin wirkte fast schon kleinlaut. Auch der Papst wolle nach Moskau fahren, man dürfe Putin nicht ins Eck stellen. Als Alice Schwarzer, die bekannteste Feministin des deutschsprachigen Raums, vergangene Woche in der „ZiB 2“ auf die frühere Außenministerin Ursula Plassnik traf, um über den Ukraine-Krieg zu diskutieren, stieß sie selbst Wohlmeinende vor den Kopf. Anlass der Verwunderung war nicht zuletzt ein offener Brief, den Schwarzer mit 28 bekannten Persönlichkeiten an den deutschen Bundeskanzler Olaf Scholz geschickt und in ihrem Magazin Emma veröffentlicht hatte.

Deutschland solle keine „Angriffswaffen“ mehr an die Ukraine liefern, um Russlands Präsidenten Putin nicht zu einem dritten Weltkrieg anzustacheln. Waffenlieferungen wären zudem völkerrechtswidrig, erklärte Schwarzer in der „ZiB“, ein juristischer Unsinn, wie Rechtswissenschaftler ihr danach erklärten. Auch sonst wirkte Schwarzer etwas verloren gegenüber der geopolitisch sattelfesten Plassnik.

Die Szene hätte für den Dokumentarfilm von Regisseurin Sabine Derf­linger wohl nicht getaugt. Denn „Alice Schwarzer“, bei der Diagonale 2022 als bester Dokumentarfilm gewürdigt, ist eine Huldigung. Derflinger montiert aus Archivbildern und Interviews die Lebensgeschichte Schwarzers: wie sie als Aktivistin in den 1970er-Jahren auf die Straße geht, später in einer Talkshow ihr männliches Gegenüber herausfordert. Und wie sie mit ihren Büchern mehrere Frauengenerationen prägt, zur Selbstbestimmtheit und Aufmüpfigkeit anleitet.

ANZEIGE
  1865 Wörter       9 Minuten

Sie haben bereits ein FALTER-Abo?


Sie nutzen bereits unsere FALTER-App?
Klicken Sie hier, um diesen Artikel in der App zu öffnen.

Jetzt abonnieren und sofort weiterlesen!

Jetzt abonnieren und sofort weiterlesen!

Print + Digital

  • FALTER sofort online lesen
  • Wöchentliche Print-Ausgabe im Postfach
  • FALTER als E-Paper
  • FALTER-App für iOS/Android
  • Rabatt für Studierende
Jetzt abonnieren

1 Monat Digital

  • FALTER sofort online lesen
  • FALTER als E-Paper
  • FALTER-App für iOS/Android
Jetzt abonnieren

Digital

  • FALTER sofort online lesen
  • FALTER als E-Paper
  • FALTER-App für iOS/Android
  • Rabatt für Studierende
Jetzt abonnieren
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Alle Feuilleton-Artikel finden Sie in unserem Archiv.

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!