„Die Russen wollten mich als Informanten anwerben“

Spätestens mit dem Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine am 24. Februar ist der Politologe Gerhard Mangott zum Russland-Erklärer der Nation avanciert. Wer ist dieser Mann, und warum haben viele ihm gegenüber Vorbehalte?

Nina Brnada
MEDIEN, FALTER 19/22 vom 10.05.2022

Gerhard Mangott vergangenen Freitagvormittag in der Lobby des Motel One am Wiener Hauptbahnhof (Foto: Heribert Corn)

Nicht jede Rampensau fühlt sich wohl im Rampenlicht. Freitag, zehn Uhr, wie vereinbart, es geht die Aufzugtür in der Lobby des Motel One am Wiener Hauptbahnhof auf, heraus tritt Gerhard Mangott. Er weiß, dass er fotografiert werden wird, doch so ganz geheuer ist ihm die Linse nicht. Dabei steht er ständig davor. Sein Gesicht flimmert nahezu allabendlich in Österreichs Wohnzimmern. Seit der russischen Invasion in die Ukraine ist der Politologe Mangott ein vielgefragter Interviewpartner, von der „ZiB 2“ bis zur „Tagesschau“, von der Kronen Zeitung bis zum Standard.

Mangott ist, wenn man so will, zu einer Art „Peter Filzmaier für Russland“ avanciert. In einem Land, das als Hafen für Oligarchen gilt, das zwischen Anbiederung und Abhängigkeit laviert, erklärt er der Nation, was im Osten Sache ist. Und ist dabei nicht unumstritten. Vielen galt er in der Vergangenheit als zu Putin-nah, andere schätzen seine druckreife Ausdrucksweise. Das Land kennt inzwischen sein Gesicht, doch kaum jemand weiß etwas über ihn.

Beim doppelten Espresso wird er eineinhalb Stunden nur halb so schnell wie sonst im Fernsehen sprechen. Seit Wochen stapeln sich die Medienanfragen, und er komme jeder nach. Egal ob für das britische Weltblatt Economist oder den kleinen Regionalsender in Vorarlberg. Er sehe sich als Erklärer, der sein Wissen mit der Öffentlichkeit teilen möchte. Doch die Medien wollten Wahrsager. „Ich kann nicht sagen, was Putin an diesem oder jenem Tag machen wird, ich kann nur sagen, was aus meiner Sicht wahrscheinlich ist.“

ANZEIGE
  1577 Wörter       8 Minuten

Sie haben bereits ein FALTER-Abo?


Sie nutzen bereits unsere FALTER-App?
Klicken Sie hier, um diesen Artikel in der App zu öffnen.

Jetzt abonnieren und sofort weiterlesen!

Jetzt abonnieren und sofort weiterlesen!

Print + Digital

  • FALTER sofort online lesen
  • Wöchentliche Print-Ausgabe
  • FALTER als E-Paper
  • FALTER App für iOS/Android
  • Rabatt für Studierende
Jetzt abonnieren

1 Monat Digital

  • FALTER sofort online lesen
  • FALTER als E-Paper
  • FALTER App für iOS/Android
Jetzt abonnieren

Digital

  • FALTER sofort online lesen
  • FALTER als E-Paper
  • FALTER App für iOS/Android
  • Rabatt für Studierende
Jetzt abonnieren
Bitte liken Sie den FALTER auf Facebook:
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Alle Medien-Artikel finden Sie in unserem Archiv.