Uhus, die auf Menschen starren

Die Eulen- und Greifvogelstation Haringsee leistet seit über vier Jahrzehnten Basisarbeit bei der Rettung und Aufzucht von Bartgeier, Seeadler, Waldohreule & Co

Klaus Nüchtern
NATUR, FALTER 20/22 vom 17.05.2022

Eindrucksvoller Auftritt der größten Eulenart der Welt. Wenn einen ein Uhu so durchdringend anblickt, fühlt man sich bis auf den Grund seiner kleinen Menschenseele durchschaut (Foto: Klaus Nüchtern)

Poldi scheint so etwas wie ein Promi unter den Parteien zu sein, die an der unauffälligen Adresse Untere Hauptstraße 34 residieren. Es sind immerhin 740 Individuen, aber Poldi ist hier allen mit Vornamen bekannt. Dabei hat er, der an diesem sonnigen Maitag im Marchfeld noch mit seinem ausgedehnten Nachmittagsschläfchen befasst ist und sich ganz schön bitten, bevor er sich blicken lässt, auf einer Vogelstation eigentlich nichts verloren. Er ist nämlich ein Fischotter.

Tatsächlich wird hier aber so ziemlich alles vorbeigebracht, was kreucht und fleucht – inklusive der Spinne aus dem eigenen Badezimmer. „Ich kann jemanden, der mit einer verletzten Taube kommt, nicht wegschicken“, erklärt Hans Frey, der hier in Haringsee, mitten im Marchfeld, 1975 auf einem 6000 Quadratmeter großen Grundstück eine Auffangstation für Eulen und Greifvögel gegründet hat. Die Fläche des Areals hat sich mittlerweile verdoppelt, und die Station fungiert als Anlaufstelle für alle Wildtiere; nur Haustiere nimmt man prinzipiell nicht.

Frey ist Doktor der Veterinärmedizin, war aber mit der Orientierung seiner Disziplin alles andere als glücklich. Das Fach aus Tierliebe zu studieren galt seinerzeit geradezu als verpönt; Hauptsache man wusste über den State of the Art der Stallsysteme Bescheid. Mit Eulen, insbesondere dem Uhu, hat sich Frey schon während seiner Zeit an der Universität befasst, wo der Platz für die Unterbringung der Vögel freilich beschränkt war – mit ein Grund, nach Haringsee zu übersiedeln.

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  1260 Wörter       6 Minuten

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