Wissenschaftlerin der Woche: Ursula Wiedermann-Schmidt

Bereitet Ihnen das Affenpockenvirus Sorge, Frau Wiedermann-Schmidt?

PROTOKOLL: ANNA GOLDENBERG
Politik, FALTER 21/22 vom 25.05.2022

Foto: MedUni Wien

Man muss wachsam sein, was sich hier entwickelt. Es ist vieles noch unklar. In mehreren europäischen Ländern, zuletzt auch in Österreich, sind nämlich Fälle aufgetreten, bei denen kein Kontakt zu dem ersten Infizierten bestand, der aus Westafrika eingereist war - oder es noch unklar war. Dort tritt das Virus regelmäßig auf. Als nächsten Schritt braucht es deshalb die genetische Analyse des Virus, um festzustellen, ob die Fälle auf das gleiche Ursprungsvirus zurückzuführen sind.

Die zweite Frage ist jene des Infektionsweges. Das Virus wird über Körperflüssigkeiten weitergegeben. Da die Affenpocken nun vermehrt bei Männern aufgetreten sind, die Sex mit Männern hatten, stellt sich die Frage, welche Körperflüssigkeiten mit besonders vielen Viren angereichert sind.

Die gute Nachricht: Die Affenpocken sind nicht so infektiös und machen nicht so krank wie die ursprünglichen Pocken. Neben grippeähnlichen Symptomen mit Fieber und geschwollenen Lymphknoten bekommen die Erkrankten kleine Bläschen auf den Handinnenflächen. Seit die Pocken durch die flächendeckende Impfung 1980 für ausgerottet erklärt wurden, werden die Menschen nicht mehr dagegen geimpft. Das könnte zu den vermehrten Affenpocken-Ausbrüchen in den vergangenen Jahren beitragen, da der Pockenimpfstoff auch gegen verwandte Arten wirkte. Sobald wir genauer über den Infektionsweg Bescheid wissen und die Risikogruppen kennen, kann man entscheiden, ob der Impfstoff wieder angewandt wird. Zudem gibt es auch antivirale Medikamente.

In Europa sollte also niemand an den Affenpocken sterben. Anders als bei respiratorischen Viren wie Corona sind häufige Mutationen nicht anzunehmen. Gelingt es, Infektionsketten zu verfolgen und die Ausbrüche zu stoppen, steht die Impffrage nicht im Vordergrund.

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