Die Ungehorsamen

Sie kleben sich auf Straßen fest, ketten sich an Bagger an und blockieren Kreuzungen. Wie weit will die Wiener Klimabewegung gehen? Und was treibt sie an?

Katharina Kropshofer
STADTLEBEN, FALTER 23/22 vom 07.06.2022

Sturm auf die Baustelle: Aktivisten von „Lobau bleibt“ wollen die Stadtstraße aufhalten. Sie steht für fossile Projekte, die enden müssen (Foto: System Change not Climate Change/Christopher Glanzl)

Nur Reste eines Superklebers erinnern an das Spektakel. Dort, wo eine Aktivistin ihre Hand festgeklebt hat, bleiben weiße Klebereste auf dem Asphalt. Sie zeichnen fünf Finger nach.

Bereits für den 30. Mai hatte die Gruppe ihren Protest geplant, doch dann beschwerte sich eine Passantin übers Schildermalen im Gras und rief die Polizei. Also der zweite Versuch: Wien, am vergangenen Donnerstag, 9.32 Uhr. Acht Personen tauchen auf der Straßenkreuzung Wiedner Hauptstraße/Schönburgstraße auf. Dann muss es schnell gehen: Aus ihrem Lastenrad holen die Aktivisten Banner und Superkleber und gehen, bekleidet mit Bauhelmen und Warnwesten, auf das Gebäude der Wirtschaftskammer zu: „Jetzt beginnen die Umbauarbeiten!“, ruft Martha Krumpeck.

Nicht nur die Polizei kennt die Aktivistin mittlerweile. Spätestens seit ihren Hungerstreiks fürs Klima vor dem Parlament erkennen auch Unbeteiligte die 30-Jährige mit ihren langen, geraden Haaren und der getönten Brille. Heute ist sie mit der Gruppe „Letzte Generation“ hier, ein Neuzugang der Wiener Klimabewegung. Ihre Spezialität? Die Straßenblockade. Da sitzen dann die Aktivisten vor Autos und halten Schilder gegen Bodenversiegelung in die Höhe. Heute wollen sie etwas Neues probieren. Sie sprayen grüne Linien auf den Boden, schwarze auf die Glasflächen des WKO-Gebäudes. Erst auf Nachfrage wird klar, was das soll: Die schwarzen Linien stehen für den neuen Eingang, ein grünes Kreuz auf den Glaswänden für den imaginären Ort, der hier konstruiert wird: Harald Mahrer Kinderspital. Bitte was?

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  2353 Wörter       12 Minuten

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