Endlich zurück auf der Bühne

Drei große Wiener Bands spielen diese Woche gleich fünf Konzerte in ihrer Heimatstadt: Wanda, HVOB und My Ugly Clementine

VORSCHAU: GERHARD STÖGER
FALTER:WOCHE, FALTER 24/22 vom 15.06.2022

Foto: Wolfgang Seehofer

Die Vorzeichen hätten kaum besser sein können, das Timing freilich war letztlich miserabel. Gleich mit ihrer Debütsingle hatten My Ugly Clementine, stilistisch verwurzelt im melodischen Alternative Rock der 1990er, einen FM4-Hit; das erste Konzert war im Mai 2019 umjubelt, die Erwartungshaltung ab diesem Moment groß. Das Quartett um Sophie Lindinger und Mira Lu Kovacs steht für eingängige Gitarrenmusik, allerdings englischsprachig und vor allem ganz ohne Männerbeteiligung umgesetzt - nach wie vor eher die Ausnahme denn die Regel in der österreichischen Musikszene.

Als dann im März 2020 das Album "Vitamin C" herausgekommen ist, mussten My Ugly Clementine ihre Welteroberungspläne gleich wieder auf Eis legen. Anstatt eines großen Präsentationskonzerts in Wien und einer umfangreichen Tournee im deutschsprachigen Raum lautete das ermüdende Mantra plötzlich: Lockdown, Absage, Verschiebung, neuer Termin, Absage, Verschiebung, Lockdown.

Extrem bitter für eine aufstrebende junge Band. Doch My Ugly Clementine feierten in der Folge auch ohne umfangreiche Konzertreisen einen veritablen Erfolg: Impala, der Dachverband der unabhängigen europäischen Plattenlabel, zeichnete "Vitamin C" als Europas Indiealbum des Jahres aus - eine Ehre, die zuvor noch keiner österreichischen Produktion zuteilgeworden war.

Derzeit arbeitet die durch Kem Kolleritsch alias Kerosin95 und Nastasja Ronck komplettierte Band an neuen Songs. Die vier Mitglieder sind alle auch in anderen Bands und Projekten aktiv, bis das zweite Album erscheint, wird es also noch eine Weile dauern. "Es ist frühestens in einem Jahr so weit", meint das Label dazu. Vielleicht liefern My Ugly Clementine live ja schon einen kleinen Werkstattbericht - am 21. und 22. Juni spielen sie im Wuk, beide Termine sind bereits ausverkauft.

Für Wanda hingegen sind noch Karten erhältlich. Ziemlich genau mit zweijähriger Verspätung holen die fünf "Amore"-Rocker mit dem Schnapsund Nikotinfaible am 17. und 18. Juni in der Stadthalle die beiden großen Wien-Konzerte zu ihrem im Herbst 2019 erschienen vierten Album "Ciao" nach.

In der Zwischenzeit gab es eine Umbesetzung am Schlagzeug, zudem ist Sänger Marco Wanda fremdgegangen und hat ohne Band einige Lieder zum Soundtrack der entzückenden Christine-Nöstlinger-Verfilmung "Geschichten vom Franz" beigesteuert. Offenbar war "Ciao" aber keineswegs als Abschiedsgruß gedacht. Eine Handvoll neuer Lieder wie "Rocking in Wien" stimmt bereits auf das für Ende September angekündigte fünfte Album ein, künstlerische Experimente hat das Quintett dabei tunlichst vermieden. Live funktioniert Wandas Strizzi-Rock nach wie vor ausgezeichnet, wie die beiden Auftritte bei den großen Wiener Ukraine-Benefiz-Konzerten gezeigt haben.

Stilistisch ganz anderes Terrain beackern Anna Müller und Paul Wallner mit ihrem Duo HVOB. Clubmusik, die zwar schöngeistige Momente hat, ordentlich Bass und Krawumms aber unbedingt zu schätzen weiß, verbinden sie mit Popsong-Elementen und weit eher schwermütigem als feierlaunig-ausgelassenem Gesang.

Eine Erfolgsformel: Seit einer knappen Dekade kommt das Wiener Duo gut in der Welt herum -sofern nicht gerade eine Pandemie als globale Spaßbremse fungiert. Ihr aktuelles fünftes Studioalbum haben HVOB über ein halbes Jahr verteilt Stück für Stück veröffentlicht; seit April liegt das dunkel schimmernde "Too" in seiner Gesamtheit vor.

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"I'm trying to get close to you but everything hurts with you", heißt es in einem der neuen Songs. Ihr Publikum meint Anna Müller damit gewiss nicht: Die Möglichkeit zu guter Nähe bietet am 18. Juni das HVOB-Open-Air in der Arena.

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Wanda: Wiener Stadthalle, Fr, Sa 20.00

HVOB: Arena, Open Air, Sa 17.00

My Ugly Clementine: Wuk, Mi, Do 20.00

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