PETERS TIERGARTEN

Was man wissen muss

Peter Iwaniewicz summt „Let me tell you ’bout the birds and the bees“

Peter Iwaniewicz
Natur, FALTER 28/22 vom 13.07.2022

Zeichnung: Georg Feierfeil

Eine Quizfrage, die sich sowohl an am politischen Geschehen in Österreich Interessierte als auch an Tierfreunde wendet: Welcher Minister wurde durch ein Insekt zu Fall gebracht? Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich profilierte sich mit seinem Nein zum europäischen Verbot von Pflanzenschutzmitteln wie den Neonicotinoiden als Feind der Honigbienen. Das führte zu einem Rekordtief seiner Beliebtheit und nach der Nationalratswahl 2013 wurde er von der ÖVP nicht mehr als Minister aufgestellt.

Das Wissen über Insekten ist in der Bevölkerung vermutlich geringer als die für eine politische Karriere noch irrelevanteren Kenntnisse in Latein. Es gibt nur zwei Insektenarten, die weltweit als Nutztiere Bedeutung haben: der Chinesische Maulbeerseidenspinner und die Honigbiene. Über beide wissen wir gerade mal, welche Produkte wir ihnen verdanken: Seide und Honig. Sonst stecken wir uns gerne die "Ich hab in Naturgeschichte nie aufgepasst"-Ehrennadel an. So wie Sigi Bergmann, der legendäre Großmeister der Sportberichtslyrik, der kleinste Zeitdifferenzen in anthropomorphe Bilder verpackte: "Was sind schon drei Tausendstel, das ist ja nur der Wimpernschlag einer Libelle."

Aber darf man einer Generation, die mit dem Zeichentrickfilm "Biene Maja" aufgewachsen ist, mangelndes Wissen über Bienen vorwerfen? Gelbschwarz geringelt wie eine Wespe und mit Pupillenaugen fliegt Maja fern ihres Stocks herum und sammelt gelegentlich Nektar in einem Kübelchen. In Wirklichkeit würde sie als junge weibliche Biene die ersten zehn Tage nur den Nachwuchs füttern. Nach zwei Wochen beginnen ihre Wachsdrüsen zu arbeiten und sie baut Waben im Stock. In der dritten Woche tritt sie ihren Wachdienst an und erkundet die Gegend. Danach ist sie volljährig und sammelt jetzt noch 14 Tage lang zuckerhaltige Säfte und Pollen. Nach ca. 35 Tagen endet das Leben einer weiblichen Sommerbiene.

Dramaturgisch wäre natürlich die Geschichte von Drohnen wie Willi, die versuchen, sich mit der Königin zu paaren, und denen dann dabei das Geschlechtsorgan abreißt, auch interessant, aber nicht fortsetzungsfähig.

Um dieses Wissensdefizit zu beseitigen, hat das Kompetenzzentrum für Didaktik der Biologie an der Uni Wien eine Bienenweide an der Spittelau eingerichtet. Dort wird Schulklassen als auch Lehramtsstudierenden die ökologische Bedeutung von Honigbienen in der Praxis vermittelt. Gute Sache, denn ohne Bienen gäbe es zum Frühstück nur Ei und Gebäck.

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