Heiße Fotos: Mit der Wärmebildkamera durch die Stadt

Die Bilder einer Wärmebildkamera zeigen, welche Plätze sich besonders aufheizen, was Nebelduschen bringen und wo sie tatsächlich Abkühlung finden.

Paul Sonnberger, Soraya Pechtl
FALTER.MORGEN, 14.07.2022

Neuer Markt. Foto: FALTER/Sonnberger

Erste Station: Neuer Markt

Der Neue Markt wurde diesen Sommer umgestaltet – angekündigt waren stämmige, vollblättrige Platanen, eine Tiefgarage, die die Autos von der Oberfläche verbannt und Nebelduschen. Aber die Wärmebild-Kamera zeigt den Platz tiefrot mit einer Oberflächen-Temperatur von 46 Grad. Auch auf der interaktiven Hitzekarte des Verkehrsclub Österreich meldeten viele Anrainer den Platz als Hitze-Hotspot.

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Na ja, der Neue Markt ist ja auch noch immer ziemlich zubetoniert. Die Grünflächen sind noch immer spärlich. Auch wenn die Autos mittlerweile unterirdisch parken.

Die großen Platanen zu pflanzen sei wegen der darunter liegenden Tiefgarage nicht so einfach, argumentiert Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP) im Interview mit Radio Wien.

Zweite Station: Naschmarkt-Parkplatz

Der Platz zwischen Mariahilf und Margareten ist spätestens seit den Protesten gegen die Naschmarkt-Halle im Vorjahr als Hitzeinsel verschrien. Kein Wunder: Ohne jegliche Begrünung heizt sich der Platz auf 52 Grad auf.

Mittlerweile hat Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) die Pläne für die Halle fallen gelassen. Der Platz wird nach einem Bürgerbeteiligungsverfahren umgestaltet. Vorschläge von Anrainern, Architekten und Künstlern gibt es genug, beispielsweise könnte man das Erdreich für Bäume aufschütten, damit diese auch auf dem Beton-Untergrund gepflanzt werden können (vielleicht auch eine Idee für den Neuen Markt?). Im nächsten Jahr sollen die Pläne vorliegen.

Dritte Station: Nebeldusche Mariahilfer Straße

Haben Sie sich auch schon mal gefragt, ob die Sprühnebelanlagen eigentlich etwas bringen, außer dass die Dinger mit dem klingenden Namen Sommerspritzer einen in den nächsten Schanigarten verleiten?

Gut. Ganz so schlimm ist es dann nicht. Direkt unter der Nebeldusche ist die Oberflächentemperatur knapp 5 Grad kühler – allerdings nur im Umkreis von rund zwei Metern. In unserem Beispiel bläst der Wind den kühlen Nebel aber eher gen Himmel als in Richtung der Passanten. Wie viel Abkühlung dagegen Begrünung bringt, zeigt das nächste Beispiel.

4. Station: Berggasse

Der Asphaltboden in der Berggasse im 9. Bezirk misst nur knapp 32 Grad. Im Vergleich zu den anderen Hitzeplätzen ist es hier angenehm kühl. Das liegt unter anderem an den großen Bäumen, die viel Schatten spenden. Die alleine reichten dem Anrainer Massi Baumgartner aber nicht, weshalb er vor seinem Möbelgeschäft zusätzliche Bäume und Sträucher aufstellte und andere Anrainer motivierte, ihre Pflanzen auf die Straße zu stellen.

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Wie viel Begrünung bringt, zeigt eine Analyse der Umweltberatung: Die Oberflächentemperatur hinter einer Pflanzenschicht ist demnach bis zu 15 Grad geringer als ohne Bäume. Die Organisation fördert Fassadenbegrünung und -kühlung.

Wo Sie schnell Abkühlung finden:

Wenn Sie die Möglichkeit haben, flüchten Sie an heißen Tagen am besten ins Schwimmbad, an Wildbadeplätze oder in schattige Parks. Auch in dicht bebauten Bezirken gibt es meist kleine begrünte Grätzeloasen, in denen Sie ohne Konsumzwang verweilen können (hier finden Sie eine Karte mit allen Standorten). Im Esterhazy Park befindet sich eine Cooling-Zone, in der die gefühlte Temperatur von 29 Grad nie überschritten werden soll.

Zum Lernen oder Arbeiten empfehlen sich kühle Bibliotheken (Lesesaal 1 der Fachbereichsbibliothek Geographie und Regionalforschung, Stadtbücherei, Nationalbibliothek) oder Cafés. Auch die meisten Museen und Shopping-Zentren sind angenehm temperiert.

Die Stadt hat auch eine Karte mit kühlen Plätzen zusammengestellt (mit dem Filter können Sie die Nebelduschen aussortieren).

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