Der Einstein des Sex

Im Berlin der 1920er-Jahre forschte der Arzt Magnus Hirschfeld zu Homo- und Transsexualität. Ein neues Buch zur Geschichte seines Instituts für Sexualwissenschaft gibt auch Aufschluss über aktuelle Debatten

Lina Paulitsch
FEUILLETON, FALTER 29/22 vom 19.07.2022

Das älteste überlieferte Foto von Magnus Hirschfeld (Zweiter von rechts) bei einem Fest im Institut für Sexualwissenschaft 1919, händehaltend mit seinem Partner (Foto: Archiv der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft e.V., Berlin)

Ein Kinobesuch im Jahr 1922 wird alles im Leben von Rudolf Richter verändern. Der junge Mann lebt in einem Dorf im böhmischen Erzgebirge, auf der Flucht vor Erpressern, die ihn beim Sex mit Männern beobachtet hatten. Richter wird von seiner Familie zur Heirat gedrängt. Doch er kann nicht, Frauen liebt er nicht. Er fühlt sich selbst als Frau.

Im Kino sieht er einen Film über Tierversuche, bei denen weiblichen Ratten Hoden transplantiert wird. Einer der Schauplätze ist ein neuartiges Institut in Berlin, wo Sexualität „in all ihren Formen“ beforscht und behandelt werden könne.

Richter bricht auf nach Berlin und beginnt ein neues Leben, unter den Fittichen von Magnus Hirschfeld, Arzt und Gründer des Instituts für Sexualwissenschaft. Hirschfeld erwirkt bei der Polizei den sogenannten „Transvestiten-Schein“, damit Richter, der sich nun Dora nennt, Kosenamen „Dorchen“, ungestraft Frauenkleidung tragen darf. Und er gibt Dorchen eine Bleibe als Hausangestellte am Institut.

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  1553 Wörter       8 Minuten

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