Ein Bild des Schreckens

Antisemitismus oder Rassismus: Ein Skandal auf der Ausstellung Documenta wühlt die Feuilletons auf. Fördert das Engagement für den globalen Süden den Hass auf die Juden?

Matthias Dusini
FEUILLETON, FALTER 31/22 vom 02.08.2022

Juden mit SS-Runen: Auf der Documenta fifteen hing ein riesiges Banner mit antisemitischen Karikaturen (Foto: Uwe Zucchi/dpa/picturedesk.com)

Sie trage den Davidstern nicht mehr und habe sich für die Abkehr vom jüdischen Weg entschieden. In einem Kommentar für die Süddeutsche Zeitung beschimpfte der deutsche Autor Maxim Biller seine österreichische Kollegin Eva Menasse. Bei ihren „schrägen Reden“ müsse Biller an Leute wie Otto Weininger denken, den judenhassenden Wiener Juden der Zeit um 1900, eine Anspielung auf Menasses jüdische Herkunft. „Die schrieben verrückteste Sachen, um wenigstens die Anerkennung der Nichtjuden zu bekommen.“

Der Angriff des notorischen Polemikers ist der aktuelle Höhepunkt einer Debatte, die die deutschen Feuilletons umtreibt. Dabei geht es nicht nur um die Befindlichkeit von Schriftstellerinnen und Schriftstellern, sondern um die Aktualität des Themas Antisemitismus fast 80 Jahre nach dem Holocaust. Die Diskussion betrifft die Rangordnung der Menschenrechte: Verstellt die Beschäftigung mit dem NS-Völkermord den Blick auf rassistische Gewalt und die koloniale Vergangenheit?

Eva Menasse, eine Wiener Autorin, die seit 20 Jahren in Berlin lebt und durch Romane wie „Dunkelblum“ bekannt wurde, kritisierte in einem Spiegel-Essay die Maßlosigkeit der Debatte. „Das Brüllen zerstört jedes Ringen um Vernunft, Augenmaß, Verständigung“, schreibt Menasse.

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