„Ich war nie Kriegsreporterin“

Trotz des hohen Risikos gibt die ukrainische Journalistin Olga Tokariuk ihre Arbeit auch in Zeiten des Krieges nicht auf. Das ist für sie eine Frage der Ehre. Und des Patriotismus

Tessa Szyszkowitz
MEDIEN, FALTER 31/22 vom 02.08.2022

Foto: Stanislava Harkotova

Oft ist ihre Arbeit umsonst. Umsonst im Sinne von gratis. Deshalb kann man für Olga Tokariuks Arbeit spenden. Auf ihrem Twitter-Account, den sie unermüdlich mit unabhängigen Nachrichten aus der Ukraine bespielt, gibt es den Link https://www.buymeacoffee.com/olgatokarip. Denn, wie sie sagt: „Die meiste Arbeit, die ich mache, ist nicht bezahlt. Das ist mein Beitrag dazu, etwas zur Entwicklung meines Landes beizutragen, meiner geliebten Ukraine. Es lebe die Ukraine!“

Doch Olga Tokariuk macht ihre Arbeit nicht umsonst – im Sinne von vergebens. Die ukrainische Journalistin wird derzeit mit Anfragen zu Analysen, Reportagen und Interviews über die Ukraine im Krieg überhäuft. Seit rund 15 Jahren gehört sie zu den wichtigsten Stimmen des unabhängigen Journalismus in Kiew. In der Ukraine leitete sie die außenpolitische Redaktion des unabhängigen Senders Hromadske. Sie hat in Kiew ihren Bachelor in Journalismus und in Bologna ihren Master in Politikwissenschaft gemacht. Als freie Mitarbeiterin internationaler Medien, derzeit zum Beispiel für die globale Radiostation Monocle24 und das Time Magazine, arbeitet Tokariuk, die neben Ukrainisch und Englisch auch Italienisch spricht, für italienische Radiostationen wie RaiNews.

Tokariuk ist daher unabhängiger als viele ihrer Kolleginnen und Kollegen, die bei ukrainischen Medien arbeiten. Seit der Krieg am 24. Februar 2022 begonnen hat, ist die ukrainische Wirtschaft im freien Fall. Das hat enorme Auswirkungen auf die ukrainischen Medien, denen in der Folge die Werbeeinnahmen weggebrochen sind. Viele Regionalmedien mussten bereits zusperren.

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