SOMMERTHEATER Kritik Niederösterreich

Der weirde wilde Westen des Weinviertels

MARTIN PESL
Lexikon, FALTER 31/22 vom 03.08.2022

Dies ist vielleicht nicht die beste Theaterproduktion des Sommers, aber jedenfalls die weirdeste. Schauspielerin Anna-Eva Köck und Architekt Gregor Schindler gaben für die zweite Ausgabe ihres gemütlichen Festivals auf dem eigenen Grundstück in Großriedenthal bei Regisseurin Klara Rabl eine Stückentwicklung in Auftrag, die die Mythen des Weinviertler Ortes zum Thema hat. Macht nix, wenn Sie diese nicht kennen. Nach "Löss" beim "Loess is more" am Lösshof werden Sie sie kennen.

Der gleichnamige "Boden des Jahres 2021" tritt in der Gestalt Johanna Hainz' selbst auf und hält eine Dankesrede. Es herrscht eine staubige Wildwestatmosphäre. Eine Höhlenpfarrerin (Rina Juniku) und ein nach eigenen Angaben geheimnisvoller Fremder (Martin Hemmer) erforschen Löcher im Boden, finden Mammutzähne und sprechen so viel großriedenthalerisches Insiderzeug, dass einem als "Zuag'rastem" die Stirn in Falten und der Mund offen steht. Bis sich - nur so viel sei angedeutet -alles in schrägster Klarheit auflöst. Schon zuvor erfreut ein gut gelauntes, selbstironisches Ensemble. Martin Hemmer etwa verwandelt sich durchaus überzeugend allmählich in ein Pferd.

Hinfahren oder -reiten, Zeit nehmen, Wein trinken (unbedingt vor der Vorstellung), anschauen.

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