Der nächste Name auf Erdoğans Liste

Die Zensur des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan zerstört nicht nur die Meinungsfreiheit in der Türkei, sondern versucht das auch in Österreich. Nun will sie den Integrationsexperten Kenan Güngör mundtot machen

Nina Brnada
MEDIEN, FALTER 33/22 vom 16.08.2022

Foto: Heribert Corn

Wenn es einen Mister Integration gibt, dann ist das Kenan Güngör. Ob Staatsbürgerschaft, Radikalisierung von jungen Muslimen, Bildungschancen von Zuwandererkindern – er ist einer der gefragtesten Auskunftgeber für Medien und angesehener Partner von Politik und Verwaltung. Güngör ist Mitglied des Expertenrats der österreichischen Bundesregierung, der den jährlichen Integrationsbericht herausgibt, Autor mehrerer sozialwissenschaftlicher Studien, Entwickler von Integrationsleitbildern für drei österreichische Bundesländer und war lang strategischer Berater der Stadt Wien in Sachen Integration.

Ausgerechnet gegen Güngör liegen nun zwei Haftbefehle vor – in der Türkei, seinem Geburtsland. Wegen Präsidentenbeleidigung und Terrorismus, wie er sagt. Bislang waren hierzulande vor allem die vielen türkischstämmigen Menschen, mit österreichischem oder türkischem Pass, von derlei Repressionen betroffen. Nun trifft es mit Güngör auch einen prominenten talking head.

Das Regime von Präsident Recep Tayyip Erdoğan nutzt das Internet, um die Angst vor der Verfolgung durch seine Politjustiz in die hintersten Winkel der Communitys türkeistämmiger Menschen zu tragen – auf der ganzen Welt. „Die Angst vor der Denunziation zerstört nicht nur die Meinungsfreiheit in der Türkei“, sagt Güngör, „sondern auch in Österreich.“ Für Güngör waren die Haftbefehle nur eine Frage der Zeit.

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  1492 Wörter       7 Minuten

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